Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 ein Standbil d errichten. Sie.veranstalteten zu diesem Zwecke Dienstag 26. Mai 1786 eine Gedächtnisfeier, bei welcher Rammlers Dichtung „Sulamith und Eusebia" mit der vor Wessely eomponierten Musik zur Aufführung kam. In den bald von Westen einhertosenden Stürmen, in deu schweren Kriegsjahren ging das Projekt, dem sich außerdem noch viele Hindernisse entgegenstellten, bald ganz verloren?) Jetzt soll's zur Ausführung gelangen — die Idee ist lebensfähig; Eifer und guter Willen mögen sie in die That umsetzen- Denl Künstler, der berufen ist, dem spröden Erz oder Marmor ein charaktervolles Bild Mendelssohns abzugewinnen, ist bereits vorzüglich vorgearbeitet worden. Wir denken hier an die bildlichen und plastischen Darstellungen Mendelssohns, dabei anerkennend, daß Aussprüche von Zeitgenossen, Schilderungen seiner Biographell auch sein Aelißeres uns in meisterhafter Zeichnung vorführen. Bon Mitstrebeuden nennen wir nur Johalln Kaspar Lavater, welchem die Schädet- und Gesichtsbildung vorzüglich in das System seiner Physignomik passte. Wie ben Eharakter, so zeichnet er vortrefflich Mendelssohlls Ä engeres: erstern in seinem Briefe an beit Kaliollikus Breitinger, letzteres an verschiedenen Stellen feiner physioguomischen Fragmente. „Eine leutselige, leuchtende Seele im dnrchdrillgenden Auge und einer äsopischen Hülle," das sind seine Worte an den Kanonikus, „schnell in der Aussprache, doch plötzlich durch ein Band der Natur im Laufe gehemmt. Ein Mallll von scharfer Einsicht, feinem Geschmack und ausgebreileler Wissenschaft. Ein großer Verehrer senkender Genies mld selbst ein metaphysischer Kopf. Ein unparteiischer Beurteiler der Werke des Geistes und Geschmacks; vertraulich unb offenherzig im Umgänge, bescheidener in seinen Reden als in seinen Schriften und beim Lobe unverändert; ungezwungen in seinen Gebenden, entfernt von ruhlnbegierigen Kunstgriffen niederträchtiger Seelen, freigebig und dienstfertig. Eill Bruder seiner Brüder, der Juden, gefällig und ehrerbietig gegen sie, auch voll ihnell geliebt und geehrt.Bon Mendelssohns Silhouette sagt er in seinen Schriften >: „Bermutlich kennst du diese Silhouette. Ich kann di?s kaum verhehlen, sie ist mir zu lieb, gar zu sprechend. Kannst du sagen, kannst du einen Augenblick allstehen, ob du sagen wolltest, vielleicht ein Dummkopß eine rohe geschmacklose Leele'?.Der so was sagen konnte, ertragen konnte, daß ein Anderer es sagte, der schließe mein Buch zu, werfe es von sich — und erlaube mir, meinen Gedanken zu verwehren, daß ich nicht über ihn urteile! Ich weide mich an biefein Umrisse, mein Blick wälzt sich von diesem herrlichen Bogen der Stirn auf den scharfen Knochen des Auges herab. Jil dieser Tiefe des Auges sitzt eine sokrntische Seele! Die Bestimmtheit der Nase! Ter herrliche Uebergang von der Nase zur Oberlippe — die Höhe beider Lippen, ohne daß eine über'die andere hervorragt, wie alles dies zusammellstimmt. ..." Bei der Beschreibung eines in Constalltinopel gefundenen Bruchstücks einer Homertz Ein häusliches Denkmal setzte ihm, wie viele Private, ein dankbarer Schüler und schrieb darunter Moses Mendelssohn Unter allen selten, Unter den Seinigen Ter Einzige! _ Über das prstectirte Denkmal vgl. auch G. B. Mendelssohn, M. M. 61es. Schriften S. 56. 2) Kayserl ing, S. 1>5 und 186, wo ans Geß ner, Lnvaters. Lebensbeschreibung I, 19! f. verwiesen ist. Va Vater, Physiognomische Fragmente. Leipzig und Winterthur 1775. I, 243.