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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 8

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 sagt und entzogen wird. Es liegt im Undanke zumeist auch nur Unverstand. Es wird das Gute, das. wir wollen, üben und fördern, oft nur darum nicht gewürdigt, weil es nicht verstanden wird. Deu Unverstand kann man aber nicht verurteilen, man muß ihn bemitleiden, mau muß ihm mit Schonung entgegenkommen, man muß ihn durch Milde besiegen. Das Los verdienstvoller Männer, die ihr Herz dem Wohle der Menschheit gewidmet, die mit überlegener Einsicht ihren Fortschritt angebahnt, mit aufopfernder Hingebung für die Förderung ihrer sittlichen und geistigen Wohlfahrt gearbeitet haben, war es von jeher, von ihren Zeitgenossen, die ihr edles Wirken nicht begriffen, verkannt und mißachtet, ja oft auf das Gehässigste verfolgt und verdammt zu werden. Die Fälscher der Wahrheit, die mit Lügcnrcdcn das Volk bethörte», seinen Vorurteilen huldigten, seinen Lieblingsvorstellungen nachgaben und mit süßen Schmeicheleien ihm die Vorzüge andichteten, in deren Besitze zu sein es vorgab, denen hat es nie an dem Danke gefehlt, dessen Erlangung allein sie im Auge gehabt hatten. Aber die Männer, die mit rückhaltloser Offenheit die herrschenden Mängel bekämpft und bloßgelegt, die mit' mutiger Hand alle die Truggewcbe, in die die Geister sich eingesponnen, auseinandergerissen, die die Wahrheit verkündet haben, so wie sie besteht, so wie sie ihnen ans dem Herzen kam, die haben immer unter dem Fluche der Verkennung gelttten, dessen Quelle der Unverstand ist. Die hätten aber auch für die Zukunft nie; etwas wirken können,, wenn sie nicht über den Undank, der ihnen entgegengssstracht worden, sich erhoben, und nicht jene Milde und Besonnenheit sich bewahrt Hünen, die die Frucht einer besseren Einsicht und Ueberzeugung ist.! I In engem Bunde mit jener schonnngsvollen, erhabenen, ungetrübten Milde und Seelenruhe, mit der wir, so das Bewußtsein, stets nur das Gute gewollt und bewirkt zu haben, uns innewohnt, auch den Undank, der uns begegnet, zü vertragen vermögen, stehe aber auch die Festigkeit, die nicht wankt, auch wenn vost mancher Seite ihr. der Boden unterwühlt wird, die freudige Beharrlichkeit und Ausdauer im Dienste des Guten! Es hieße, die Schonung, mit welcher man den Unverstand und die Verkennung behandelt, zn weit treiben, wollte man ihm vollends nachgeben und ihm geradezu den Platz räumen. Wenn Moses damals, als von allen Seiten die Stimme des Volkes ihm entgegentönte: „Es ist besser für uns in Aegypten zy arbeiten als in der Wüste zu sterben", als Vorwürfe und Schmähungen auf sein Haupt gehäuft wurden, weil er die Freiheit im Elend doch noch für erträglicher gehalten hatte als das Elend in der Knechtschaft, sich da gerichtet hätte nach den Ratschlägen der Feiglinge, die kläglich anfschrieen, wenn sie den Hufschllag eines i ägyptischen Rosses vernahmen, es wäre ihm gewiß nichts anderes übtzig geblieben als mit einem Streiche alle seine bisherigen Thaten wegzulöschen und wiederum den Rückzug in das Land der Knechtschaft anzutreten. Allein bei Mosen hatte auch die Nachgiebigkeit ihr Maaß, hatte auch die Sanftmuth ihre Grenze. Geduldig nahm er die Borwürfe auf, mit einer bewundernswerten Gelassenheit ließ er alle die Schmähreden über sich ergehen, die da von Mund zu Mund getragen wurden. Auf Einsicht und Dankbarkeit hatte er bei dem Volke nicht gerechnet, dys er lange als ei» unkluges und undankbares Volk kennen gelernt hatte. Etz wäre du rch reiche Lobeserhebungen, die es ihm nach seiner. Erlösung gespendet, ebensowenig außer Fassung gekommen, als jetzt, wo es mit seinen lästigen Anklagen auf ihn losstürmte und jeder es längst besser gewußt haben will, als Moses, njiej die Erlösung Israels zu bewerkstelligen sei. Das tiefe Bewußtseindaß est das Gute ebenso mit reinein Herzen wolle, als er mit klarem Geiste es ver,

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