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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 7

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 durch sein leuchtendes Vorbild. Fürchtet nicht, ruft er ihnen besänftigend zu, bleibet standhaft, harret aus! Für die Sache der Wahrheit kämpft Gott. Euer Gott kämpft für euch, er kämpft für die Sache des Rechtes und siegen wird sie und die Zukunft gehört ihr, wenn auch für den Augenblick »och so viel Gefahren euch umgeben. Welche Milde und ivelche Festigkeit, die Moses hier dem undankbaren Volke gegenüber vereint an den Tag legt! Wie vertäugnet sich selbst da, wo so arge Verkennung anstatt gerechter Anerkennung der Lohn seines Wirkens ist, doch nicht seine Treue, seine Ausdauer, seine Hingebung, feine Thalfreudigkeit, sein Mut, seine Demut! Milde nach der einen, Festigkeit nach der andern Seite, die sollen auch wir bewahren und entfalten, wenn auf dem Felde unsrer Thätigkeit wir nur Undank ernten für das lsiute, dessen Saaten wir da sorgsam gepflegt. Schonnngsvolle Milde gegen die, die unser Wirken verkennen, und nnbeugsamc Festigkeit in unserem edleren Wollen; das seien die Leitsterne, die da auf den Bahnen unseres besseren Schaffens uns leiten. Dari» wollen wir an Moses uns cinj Beispiel nehmen. (C£3 ist nichts Ungewöhnliches, das; gerade diejenigen, denen wir am meisten wohlgetha», sich am wenigsten dankbar gegen uns erweisen. So lange sie unseres Beistandes bedurften, so lange unsere Teilnahme ihnen nützlich sein konnte, thatcn sie so, als ob es ihnen mehr ivie um Alles um die Freundschaft zu thnn sei, die wir ihnen gewährten, legten sie uns gegenüber eine Treue, eine Achtung an den Tag, die jeden Schatten des Mißtrauens gegen sie für immer verscheuchen mußte. Kaum aber kamen sie zu dem Beivußtseiii, daß sie auf eigenen Füßen stehen, daß sie selbst für sich sorgen, daß sie des fremden Beistandes entbehren können, da tvar auch rasch das Baud der Freundschaft gelost, das sie früher so fest zn knüpfen, so weit ausznspinnen sich bemüht hatten, da war es ihnen, als ob die Wolthat, die sie empfangen, ihnen nicht eine Stütze, nein, als ob sic ihnen eine Last gewesen wäre, die .sie jetzt nicht mehr ans sich zu tragen brauchen, und sie grollen ihre» Wolthätern und vergelten das Gute, das diese ihnen erwiese», mit lieblosem Undank und schnöder Verkennung. Wenn die Gunst des Geschickes ihm lächelt, wenn das Glück sich ihm freundlich zugesellet, da vergißt der Mensch leicht der Zeiten, in denen die hilfreiche Hand crbarmungsvoller Menschen von seiner Lebensbahn so manche Hindernisse hinweggeränmt hat, die ihm so unübersteiglich schienen, da denkt er nicht daran, daß einst auch Tage kommen können, in denen der Stern seines Gaickes ihn verläßt und er wiederum i»ir bei anderen Menschen seine Zuflucht suchen muß — und darum hat sein Herz keinen Raum für die Gefühle der Dankbarkeit, auf welchen alle die freundschaftlichen Beziehungen ruhen, durch welche die Menschen mit einander-verbilnden werde», darum glaubt er sich selbst zu schaden, wenn er noch Pflichten auf sich nimmt, deren Erfüllung ihm wenigstens für den Augenblick keinen Vorteil bringt. Dankbarkeit ist eigentlich keine Tugend, sie ist eir e Schuldigkeit, die wir üben müssen, sic ist ein Gebot des Herzens, das wir nicht überhören können, ein Grundpfeiler, der den Bau der menschlichen Gesellschaft trägt und darum von jedem gestützt werden muß, der in derselben seinen Platz finden und mit ihr seine» Bund erhalten will. Wie tief müßte sich daher derjenige selbst erniedrigen, der dem, welcher sich ihm gegenüber undankbar gezeigt hat,'Gleiches mit Gleichem vergelten, in dem Maße der Förderung edler Zwecke seine Teilnahme entziehen wollte, als seine Mitwirkung dabei verkannt wird und unbeachtet bleibt! Wir thnn das Gute nm des Guten, um der Menschheit willen, der wir angehören, und sein Wert wird dadurch nicht verringert, ja vielmehr geradezu dadurch verdoppelt, daß ihm die gebührende Anerkennung ver-

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