Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 unöj beabsichtigt habe», in ihren, Thun heransfindet und anstatt des verdienten Da ikes harte Anklagen und schwere Vorivürfe ihnen entgegenbringt. Menschen von cmvfindlicher Gemütsart und zaghaftem Sinne können, so ihnen ihr edles Wirken durch solchen! schmählichen Undank verleidet wird, auch ivenn sie sonst auf alle Anerkennung verzichten und nur die reinste Absicht sie beseelt und geleitet hätte, dadurch leicht dazu bestimmt werden, das Feld ihrer segensreichen Thätigkeit gänzlich zu verlassen und da in Teilnahmslosigkeit sich znrückzuziehen, wo ihr Wirken allein am rechten Platze tvürc, >vo es notwendig, ja unentbehrlich wird, weil kein zweiter da ist, der cs ihnen gleichthnn, ihre Wirksamkeit fvrtsetzcn, ersetzen kann. Solche Männer, die durch die Entläuschnng, die sie erfahren, sich in ihrem gerechten Streben beirren, von dem Undanke, der ihnen zu Teil geworden, sich einschnchtern und Niederdrücken lassen, sich von der kalten Gleichgültigkeit, welche höhnend ihnen gegenübersteht, oder von der erhitzte» Mißstimmung, welche sich ihnen hemmend in den Weg stellt, so weit beeinflussen lassen, dast sie das Vertrauen zu sich selbst verlieren, den Mut der Wahrheit und den Eifer für die gu!e Sache, die stehen nicht ans der Höhe jener echten Geisteswürde, die sich standhast zeigt mitten in allen Proben nnd Versuchungen. Es ist in ihnen entweder noch ei» Rest von eitler Selbstgefälligkeit zurückgeblieben, so daß eine Verletzung derselben ihnen auch den Glauben an den Sieg der guten Sache zn trüben vermag, oder sie sind sich selbst darüber nie klar geworden, daß es ein würdiges und heilsames Ziel sei, welches sie init ernstem Willen anstreben und dubch eifriges Schaffen zn erreichen suchen. Nur der Mann, der ebenso mit. zweifelloser Ueberzengnng als mit begeisternngsvvller Hingebung für die Förderung der guten Sache eintritt, der wird über »»vernünftige Verkennung sich hinanssetzen, wird auch über niedrigen Undank sich zn erheben im Stande sein. „Giebt es? denn in Mizrajim keine Gräber", ruft das erlöste Sklavcnvolk seinem Besreier Moses zn, „daß dn uns da heransgeführt hast, um uns in der Wüste sterbe» zu lassen'?", Was hast du da gethan, welches Elend hast du über uns gebracht, indem dn ans den gesegneten Gefilden Gosens uns in diese wasserlose Wüstensteppe hinansgefübrt hast'? Siehst dn, wie klng wir waren nnd wie thöricht du gehandelt hast! Haben wir es nicht längst gesagt, haben wir dir nicht immer zugerufen, lasse uns nur i» der Knechtschaft, die Freiheit hat für uns keinen Wert, und nun, da wir keine andere Aussicht haben, als von dem Schwerte des Feindes anfgerieben oder von den Fluten des Meeres verschlungen zu werden, mußt dß es nicht selbst einsehen, daß es für uns besser gewesen lväre, Mizrajim zu dienen, als in der Wüste zn sterben'? Moses vernimmt diese Reden, diese schweren Verdächtigungen ans dem Munde derer, die er ans dem düsteren Elende hervorgezogen hat. Ans dem Erlösnngswerke, das er vollführt, wird ihm ein Vorwurf gemacht und er hat kein Wort der Entrüstung über den schnöden Undank, den er da erfährt; unverzagt und unverdrossen fährt er fort, für die Erhebung Israels zu wirken. Wie ein Fels, der, von den Brandungen der Meeresflnt umtobt, nicht weicht vor ihrem Brausen, nicht fällt unter ihrem Andrang, sondern kühn hinausragt über die erregten Gewässer, so steht Moses da mitten in Israel! Eine Flut von lauten Schmähnngen dringt von allen Seiten ans ihn ein, ein aufgeregtes Meer des Zornes hat sich um ihn ergossen und sein Mut ist nicht gebrochen und seine Hingebung ist nicht erschüttert und seine Zuversicht ist noch dieselbe. Auf den Undank nicht achtend, der in Einem Augenblicke ihm alle die mühsam erworbenen Ruhmeskrünzc von dem Haupte gerissen, wendet er sich noch einmal mit liebevoller Rede seinem Volke zu und richtet die Verzagten auf durch ^ein erhebendes Wort,