Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 einen Parasiten, einen Schmarotzer am Balime der Menschheit zu betrachten, aus dem nichts Gutes mehr zu erwarten sei! Jene glorreiche Zeit, die wir im Geiste schon jetzt ahnen und voraussehen, jene glorreiche Zeit, wo Israel im Gluck, im heiligen Siegerglanze seiner großen Borzeit sich um das Grab des großen Reformators schaart und mit thränendem Auge ihm einen Kranz spendet, wir wollen sie beschleunigen helfen, sie durch überzeugungsvolles Wort herbeiführen. Nicht Duldung ist es, nicht Toleranz, die wir von der Menschheit erwarten, wol wissend, daß Duldung nur für Schwächlinge und Fehlende erbettelt werden muß. Nein! Gleichberechtigung und Ebenbürtigkeit mit der allgemeinen Gesammtheit, Mitwirkung an ihren großeil Zielen, Mitbürgerschaft unter ihr — das ist es, was wir anstreben! In dem Kampfe nach Außen werden wir Sieger bleiben wenn wir das Panier des positiven Fortschrittes, das Ideal der Wahrheit, asif allen Gebiete» Hochhalten und die Verbrüderung mit allen unseren Mitmenschen im Geiste der lichten Humanität erstreben. In dem Wogen des heutigen Geisteskampfes kann nur Aussicht auf Sieg haben, wer offen mit der Wahrheit als Schild und dem edlen Menschentum als Schwert dem Feinde sich entgegenstellt.! Dies unser Standpunkt! Möge er zum Heile und zum Wohle der gesammtön Judenheit noch lange Jahre in dem von uns gegründeten Blatte zum Ausdrucke gelangen! Wir bieten allen unseren Glaubensgenossen Gelegenheit, sich über das wahre Wesen und das Ziel des Judentums gründlich aufzuklären, sich zu enianzipieren von Vorurteil und Wahn! Möge diese Gelegenheit von Allen und Jedemj ergriffen werden! Mögen unserm Streben stets neue Freunde und Gönner zu Tei^l werden und mögen unsere Freunde und Genossen, die mit uns wacker gekämpft haben, uns fernerhin durch ihre schriftstellerische oder sonstige Teilnahme erfreuest, uns neue Leser ans dem Kreise ihrer Bekannten znweisen, auf daß die Monatsblätter werden und bleiben ein geistiger Mittelpunkt aller Edlen in Israel. Das wäre zugleich ein würdiger Dank, eine wirksame Erinnerung für den großen Verewigten, das beste Opfer niedergelegt ans seinen Altar am hundertjährigen Todestage! iWir aber wollen eingedenk sein des Satzes: i „Wir treiben Gottes Werk, und dulden mutig des Lebens Drangsal, jede Angst und Not!" Geistige Wilde und Kestigkeil. Auch jene wahrhaft edlen Menschen, die, wenn sie in den Dienst einer guten Sache sich stellen, dabei lediglich diese allein im Auge haben, nicht damit prunken, nicht nach Anerkeminng Haschen, nicht dafür einen Dank begehren, erwarten und beanspruchen, daß sie für das Wohl ihrer Mitmenschen thätig sind, Werke des Segens stiften und volksbeglückende Thaten vollführen, werden sich auf das Schmerzlichste betroffen, auf das Tiefste gekränkt fühlen, wenn ihr lauteres von lichter Einsicht mtd liebevoller Hingebung getragenes Streben verkannt, verdächtigt und mißdeutet wird, wenn man gerade das Gegenteil von dem, was sie gewollt