Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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> 4 i einein, dem Inhalte und der Forin nach, der Würde und der Größe der vertretenen Sache gemäßen Blatte. Wie er die Hülle sprengte, in welcher der jüdische Geist verpuppt war, die Schranke brach, die ihn von der anderen Welt trennte, wie er den Lchrinhalt des Judentums jum Gegenstände des Nachdenkens und des Forschens machte, das Wesen und Wesenhafte des Judentums zu neuer Kenntnis, Sichtung und Läuterung brachte, also erstreben auch wir dies mit unserer solchen Zielen dienenden Zeitschrift! Unser Blatt hat dieses Bestreben inmitten der Angriffe, die es erfahren und vielfacher Kämpfe, die es zu bestehen hatte, aufrecht zu erhalten gewußt! Als ans dem Freundeskreise Mendelssohns die «erste deutsche jüdische Zeitschrift „die Snlamith" entstand, da schrieb Gotthold Salomo», dessen hundertster Geburtstag jüngst an der Stätte seiner begeisterten Wirksamkeit gefeiert wurde, von Hamburg einen Prolog für dieselbe, der die Worte enthielt: ' „Wir treiben Gottes Werk und dulden mutig j Des Lebens Drangsal, jede Angst und Not!" i Auch wir können diese Worte für unser Blatt in Anspruch nehmen! Wir treiben Gottes Werk! des Gottes, der am Steuerruder der jüdischen Geschichte steht und sie leitet durch alle Fluten, Wellen und Wogeil hindurch zum sichern Pvitc der Erlösung und der Fr-eiheit! des Gottes, der Wahrheit, Licht, Fortschritt und geistiges Leben will und der uns seine Religion des Geistes gab, die «unsere wahre Ehre ist und unser Stolz, unser Schmuck und unsre Zier. Wir dulhcn mutig des Lebens Drangsal, jede Angst und Not! Wir beklagen es nicht, wenn eine wahre, gesinnungstreue Opposition uns entgegentritt, denn es giebt keine Wahrheit, die nicht erstritten, keine Erlösung, die nicht erst erkämpft werden must! Daher achten wir jeden uns. offen entgegentretenden, unsre Fehler und Schwächen rügenden aufrichtigen Gegner! Wir sind gegen fremde Ueberzeugupg tolerant! i Aber wir bekämpfen mit allen unfern Mitteln und Waffen den verläumderffch schleichenden Fanatismus, ■ die unheilvolle, erstarrende Gorgonengestalt verständnisloser Orthodoxie, die Toleranz beansprucht, ohne sie zu geben, die Errungenschaften der Emanzipation genießen will, ohne sich ihrer würdig zu zeigen, die das Judentum zum Bodensätze der Menschheit herabwürdigen will! Dein finsteren Mächten einer von beivnßter Heuchelei durchsetzten Orthodoxie, mit der« eine Versöhnung nnmöglich ist, weil Wahrheit und Lüge ebensowenig nebeneinander bestehen können wie Tag und Nacht, weil beim Anstenchtcn der Wahrheit die Luge weichen muß, gilt unser Kampf, in dem die Wissenschaft unsere Verbündete ist. Und ans dieser Stellung gegenüber der falschen Orthodoxie —; welche Kämpfe, welche Anfechtungen sind uns schon erstanden, werden uns voraussichtbarer Weise in der Zukunft noch erstehen! Als das einzige ip Deutschland ganz dem großen Vorkämpfer nachwandelnde Blatt, das den geistigen Fortschritt auf sein Wappen geschrieben hat, mit offenem Visire indie schranken tritt — sind wir von vielen uns anfeindenden Gögnern umgeben. Und dennoch - unsre Parole heißt fernerhin: Vorwärts auf dev vorgestccktcn Bahn! Borivärts dorthin wo uns das weitleuchtende und schimmernde Ziel entgegenstrahlt, zum Gipfelpunkte der Kultur und der Menschheit! Vorwärts in nnserin Bestreben, ans dem Judentum ein wahres Kulturelement der Menschheit zu machen, jene Schmach ansznlöschen, die einen Herder veranlagen konnte, in den „Ideen zur Geschichte der Menschheit" das Judentum als