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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 3

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Hierin, o jüdische Nation, ihr Glaubensgenossen Mendelssohns, zeige sich unsre Erkenntlichkeit, unsre Achtung und Würdigung des großen Toten, die Achtung und Würdigung unserer selbst! Wir ehren unsere groben edlen Geister nur dann, wenn wir eingehen ans ihr Wollen und Wirken und sortsetzen was sie begonnen. Blickt um euch! Noch ist der Kamps, uod) ist das streben, das der große Verewigte so glorreich begonnen, nicht zu Ende geführt! Noch heute sperren Fanatismus und Unwissenheit einersests und VerfolgnmMmt und Nationalitätenhaß anderseits eine unerschütterliche schranke dem Gedeihen und der Entwicklung unsers Glaubens entgegen! Noch heute bläht sich der gesinnungslose Rückschritt, der alles Edle angreifende Fanatismus in unserer Mitte auf und sucht hämisch jeden geistigen Fortschritt zu beschimpfen, wie die Urschlange des Paradieses dem vorwärts strebenden Rosse in die Ferse ,;u stechen, „daß rücklings stürtzt sein Reiter!" Und ferner! Noch tobt von außen her Verfolgung und Intoleranz gegen uns, mgn möchte wiederum ein Ghetto für uns errichten! Das geistige wie das körperliche Ghetto, Israeliten, bedrohen uns noch heute! Und dennoch wird unserer Zeit der eigentliche, ihr 51t Grunde liegende, humane Charakter nicht zu bestreiten sein! Ungerecht wäre es, es zu leugnen, daß ans geistigem Gebiete der große Menschheitsgedanke, die wahre Humanität eilten Fortschritt ansznweisen habe. Es liegt nun an uns selbst, an uns Inden selbst, diesen Fortschritt zu ergreifen, rlns von seiner großen und weiten Enrwicklnngchtrömnng i nun er mehr fortziehen zu lassen! Es ist weniger von Außen, als von Innen, daß das Hindernis unseres geistiges Fortschrittes, unserer wahren Emanzipation, kommt! Als der französische Konvent im Jahre 1790 die Emanzipation aller Religiostssekten und auch der Juden beschloß und der Ausschuß der Versammlung, an dessen Spitze Mirabeau und Gregoire standen, den Inden ihre Gleichberechtigung verkündete, richtete der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Paris eine Bittschrift an ihn, daß man ihn mit solcher Emanzipation verschonen möge, daß die! Inden lieber "leben wollten wie ihre Vorfahren es gethan, abgeschlossen und unteilhaft der Rechte und Pflichten der Staatsbürger. Hierauf^ antwortete Mirabehu: „Nehmt immerhin das euch dargebotene Geschenk der Freiheit an, wenn sticht ihr, euere Kinder werden uns später danken! Nicht ans Gnade, nicht als Privilegium gewähren wir euch die Menschenrechte — nein ans Humanität! Nicht hm euch, sondern um uns selbst zu ehren!" iWohlau! auch die heutige, huuraue und im Innersten knlturfreundliche Zeit rejchl euch die Hand! Ergreifet sie, weiset sie nicht zurück! Schließet euch ihr mit! ganzem Herzen und mit ganzer seele an, wie es der unsterbliche Mendelssohn that, der sich vorn untersten Standpunkte, ans Verachtung und Knechtschaft heraus, einen Platz unter den Bestell seiner Nation erwarb, ja selbst hervorragte über die Spitzen der Kultur und der Zivilisation seiner Zeit. Hier unser Vorbild, hier unsre Aufgabe! - , Und hiermit kommen wir auf eine unser Blatt, unsere Redaktion und unsere Leser persönlich betreffende Feierlichkeit und Gedenkzeit zu sprechen! Unser Blatt tritt in den sechsten Jahrgang seines Erscheinens! Selu Wirken und Streben ist dasselbe wie dasjenige, welches den großen Reformator begeisterte. Einbürgerung der deutschen Sprache unter den Glaubensgenossen, Läuterung des Geschmackes und ästhetische Bildung derselben war der Zweck, den Mendelssohn bei seiner Bibelübersetzung im Auge hatte. Wir treten in seine Fußspuren mit

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