Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 280 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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280 280 — den alten Monumenten, und man liest deutlicher die verwitterten Inschriften, man sieht aufgerollt lange Verläufe der wechselnden Geschicke und sieht hochragen ihre Wendepunkte. Saget, meine Lieben, ist das nicht ein Wiederbelebungsfest, ein Wiederauferstehen des Geistes? In diesem Sinne wollen wir auch wieder die Festtage begehen, und ich bin dessen sicher, wer so Feste feiert, der fasset Vertrauen zu Gott, zu sich, und bekommt Glauben an die Zukunft. Zum Versöhnungstage wünsche recht gutes Fasten. Am 12. August habe auch ich den Fasttag trotz meiner Arbeit gehalten und habe sehr gut gefastet. Nun lebet wohl, und ich grüße und küsse Euch tausend Mal. Euer immer noch lebens- ' froher Junge Moritz. Meine lieben Geschwister! Zum bevorstehenden Jahreswechsel gratuliere ich Euch von ganzem Herzen, möge Gott Eure Gebete erhören und Eure Wünsche erfüllen! Wendet auch Ihr Euch inbrünstig zu ihm, und der Lohn wird sicherlich nicht ausbleiben. Wie es mir sonst ergeht, seht Ihr aus meinen Briefen. Mein Wahlspruch ist und bleibt ora 6t labora, und dieser stärkt mich. Verlebt die Feiertage recht glücklich und suchet unsere lieben Eltern zu zerstreuen. Es grüßt und küßt Euch recht herzlich Euer treuer Bruder Moritz. Wenn alle Zuchthäuser solche Jnsasser hätten, dann wäre es höchste Zeit sie zu schließen. Wonatsfchau. I Bei den Renovierungsarbeiten am Judenbade in Friedberg wurde in einer i Nische die Jahreszahl MCCLX vorgefunden, wodurch die Entstehungszeit des Bau- IV Werks festgestellt ist. Auch wurden größere hebräische Inschriften auf Quaderwerk vorgefunden, die jetzt erst nach Freilegung des Felsens, auf dem das ganze Baudenkmal errichtet ist, zum Vorschein kamen. — Am 21. September fand in der Exerzierstraße in Derlin die Einweihung der 3. Altersversorgungsanstalt der jüdischen s Gemeinde statt. Die Weihrede hielt Herr Rabbiner Dr. Maybaum, anknüpfend r an das Wort der Schrift: „Verwirf uns nicht im Greisenalter, verlaß uns nicht, f wenn unsere Kraft dahin ist." Redner wies darauf hin, daß uns sehr oft die : äußere Unabhängigkeit fehlt, um unser Alter friedvoll zu gestalten. Der Kampf ' um das Leben ist schwer geworden. Wenn auch ein Leben voll Arbeit und Mühe j; köstlich zu nennen ist, so fehlt doch den meisten die Kraft, um bis zuletzt auszuharren. Die Kraft schwindet, es stellen sich immer mehr Schwächen ein, und daS j ist es. was den Armen das Leben so schwer macht. Diese hochherzige Anstalt sei nun dafür bestimmt, alten und erwerbsunfähigen Leuten ein Heim zu gewähren,