Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 278 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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278 geliebten Jugendfreund, der sich später tapfer taufen ließ. Talmud-, und von Herrn Mannheimer echt assimilatorischen „israelitischen" Religionsunterricht, der wesentlich im Auswendiglernen des „vom grobherzoglich badischen Konsistorium approbirten Katechismus der mosaischen Religion" bestand und bei allen meinen Kameraden wie bei mir selbst der Gegenstand des Hohn und Widerwillens war, unbeschadet unserer Gefühle für den persönlich sehr achtbaren und wohlwollenden Herrn Mannheimer. Wie ich dann die Universität bezog und dort meine medizinischen Studien vollendete, wie ich früh für mich und die Meinen an Erwerb denken mußte und ihn zuerst in den Redaktionen kleiner Blätter, dann von meinem achtzehnten Jahre ab, des „Pester Lloyd" fand, wie ich im Frühling 1873 Pest verließ, um in der Folge nur noch einige Wintermonate des Jahres 1875 und 16 Monate zwischen dem Spätherbst 1878 und dem Frühling 1880 in meiner Geburtsstadt zu verbringen, die ich seitdem nie wieder gesehen habe, ist nicht interessant. Lange Jahre hatte ich an meinem gegenwärtigen Wohnorte Paris keinerlei lebendige Berührung mit dem Judentume und das einzige Band, das mich an meinen Stamm knüpfte, war außer der werkthätige» Frömmigkeit meiner Mutter ein genealogischer Stolz, der mich in meiner Empfindung den Erben des vornehmsten Blutes gleichstellte. Erst der tobende Antisemitismus weckte mich wieder zum Bewußtsein meiner Pflichten gegen mein Volk und die Initiative meines teuern Freundes Herzl, zu dem ich während seines Pariser Aufenthaltes in nahe Beziehungen getreten war, zeigte mir den Weg, den ich zur Erfüllung dieser Pflichten einzuschlagen hatte. Ich hoffe mit ganzer Seele, daß der Zionismus dem jüdischen Volke die Erlösung bringen wird. Mir hat er schon das Bewußtsein gegeben, daß mein Leben einen Zweck und Inhalt hat und das ist in einer Zeit moralischer Anarchie und Haltlosigkeit ein so köstlicher, sittlicher Besitz, daß er schon für sich allein jede Anstrengung < wert ist und für alle Niedrigkeiten gänzlich bedenkenfreier Feinde reichlich entschädigt. Dr. Max Nordau. Ein Nrief Worth Lewys an seine Ettern und Geschwister am Neujahrsfeste. Graudenz, 28. September 1902. Meine lieben, guten Eltern! Da sich das alte Jahr dem Ende zuneigt, so ist es Kindespflicht, Eurer in Liebe zu gedenken. Mit bewegtem Herzen sende ich Euch, meine lieben Eltern, zur Jahreswende meine herzlichste, innigste Gratulation. Möche Euch der All-