Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 277 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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277 das Haus Fischhof in Altofen. Der österreichische Politiker Dr. Adolf Fischhof war sechs Jahre lang meines Vaters Schiller und Zögling geivesen und von ihm im Privatunterricht bis zum Obergymnasium gefördert worden. Mein Vater war ein streng fromnier Jude der Ueberlieferung und von seinen hebräischen und talmudischm Wissen legen seine Bücher in hebräischer Sprache dauerndes Zeugniß ab. Er selbst erteilte mir den ersten hebräischen Unterricht und ich war noch nicht neun Jahre alt, als ich unter seiner Leitung zum erstenmal den Pentateuch durchgenommen hatte. Mein Vater nannte mich zu Hause nur S imcha und der Vorname „Max" wurde blos vor Fremden angewandt. Aber ich verletze die Ehrfrucht nicht, die ich dem Andenken meines Vaters schulde, wenn ich diesen kleinen Zug als bezeichnend für die ganze Richtung und Stimmung der Generation anführe, der mein Vater angehörte. Er war der typische Jünger der „Haskala". Er war „Maskil" durch und durch; persönlich noch ganz durchtränkt von der Schulchan - Aruch - Orthodoxie, aber zugleich auf Emanzipation erpicht, leidenschaftlich patriotischer Preuße zu einer Zeit, wo er in seinem preussischen Vaterlande noch keinerlei Bürgerrechte hatte und von der berühmten „Mission des Judentums" schwärmend, die im Gemüte seiner Genera* tion den leeren Platz des von den Lehren Mendelsohns verdrängte» jüdischen Volks bewußtseins einnahm. Die Folge war denn auch, daß er seinen Zöglingen wohl hebräische Kenntnisse, aber kein jüdisches Nationalgefühl beibringen konnte, wie denn auch die Fischhof's um nur diese zu nennen, teils Musterassimilanten wurden,- teils sich glatt taufen ließen und ich selbst durch eine Assimilationsphase ging, aus der ich mich nur mit großer geistiger und sittlicher Anstrengung losringen konnte. Ich besuchte in Pest zuerst die jüdische Normalschule in der Pfeiffergasse, wo meine ersten Lehrer der tresiliche Ignaz Reich, der trockene und bei seiner fast unmenschlichen Strenge sehr unbeliebte Krön, der gutmütige Weiß und Engel» ein Christ, waren. Weshalb die Judengemeinde damals den Christen Engel an ihrer konfessionellen Schule anstellte, ahne ich nicht Ich weiß nur, daß das Berhältniß dieses einen Christen zu seinen jüdischen .Kollege» im Lehrkörper und zu seinen ausschließlich jüdischen Schülern das denkbar v rtiauens- und liebevollste war und daß wir außer unserem Ignaz Reich keinem unserer Lehrer so innig anhingen, wie unserem Engel. Nach der Normalschule frequentierte ich das katholische Staats- und von der fünften Klasse ab das kalvinistische Gymnasium, wo ich auch die Reifeprüfung ablegte. An beiden Gymnasien waren einige meiner Lehrer getaufte Juden und eS ist mir im Gedächtniß geblieben, welchen sittlichen Ekel diese Renegaten durch ihre Arroganz, ihren ungarischen Chauvinismus und ihren Antisemitismus, der doch damals noch gar nicht Mode und deshalb für sie obligatorisch war, mir, und nicht nur mir, sondern auch einigen lieben christlichen Mitschülern und Freunden, die ich nennen könnte, einflößten. Während der Gyinnasialzeit empfing ich von einem rührend bescheidenen milden Gelehrten, Herrn Frendenberg, zusainmen mit einem