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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-12-01 · Heft 12 (Dezember 1902) · p. Seite 276

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 12 (Dezember 1902)
Date
1902-12-01
Page
Seite 276 (sequence 12)
Language
German
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— 270 Dr. Warr Mordau über fich selbst. t; f-:' Ich bin in Pest — damals gab es noch kein Budapest — am 29. Juli geboren, mitten in den Wirren und letzten Zuckungen deS ungarischen Freiheitskampfes. Nicht ganz drei Monate vor meiner Geburt, am 4. Mai, hatte meine Mutter, zugleich mit meinem Vater, sich auS ihrer Wohnung, in einem gehöftartigen, ganz bäuerlichen Hause an der Ecke der damaligen Arena- und Pfeiffergasse, vor den Kugeln der Ofner Festung, die Pest beschoß und die ganze Theresienstadt bestrich, in's Stadtwäldchen geflüchtet, wo sie zwei fürchterliche Nächte vollkommen schutzlos bivouakiren mußte. Sie war damals in größter Gefahr, chre Schwangerschaft vorzeitig unterbrochen zu sehen. Ich war sehr nahe daran, vor meiner Geburt ein Opfer der Politik zu werden. Das Schicksal hat es anders gefügt. Es hat mir die Prüfungen und Verantwortlichkeiten des Lebens nicht ersparen wollen. Meine Mutter, die ich am 2. Jännxr 1900 in ihrem fast vollendeten 87. Lebensjahre verloren und im Pariser Montparnasse - Friedhofe begraben habe, war eine geborene Nelkin aus Riga, hat jedoch als Vollblutjüdin natürlich mit der gleichnamigen wohlbekannten kurländischen Freiherrenfamilie nicht das geringste ge. mein. Mein Vater, Rabbi Gabriel beu Oser den Simcha Südield — den Namen Nordau führe ich gesetzlich seit dem 11. April 1874 - ist 1799 in Krotoschin, Großherzogtum Posen geboren nnd 1872 in Budapest gestorben, wo er auf dem jüdischen Friedhof an der Waitznerstraße begraben ist. Ich will bei meiner Abstammung nicht lange verweilen. Mein „Jichus“ ist der Gegenstand meiuer Erbauung im Familienkreise und interessiert Fernstehende schwerlich. Ich erwähne also nur, daß meine väterlichen Vorfahren seit 1671 ununterbrochen in Krotoschin angesessen und vom ältesten Sohn auf den ältesten Sohn stets Rendanten — in Ungarn sagt man Sekretäre — der dortigen hochangesehenen Judengemeinde waren, von dem Rabbi Josef, der aus Saloniki nach Wien gekommen, mit der dortigen Gemeinde zugleich vertrieben und von seinem Freunde Rabbi Menachem Mendel Auerbach nach Krotoschin berufen worden war und von da ab bis an sein Lebensende mit Märtyrerstolz immer nur „mimsgorsodi ' visva" unterzeichnet hat, bis zu seinem siebenten Mannesstamm, meinem 1892 verstorbenen Vetter^ Wiener. Mein Vater war seinem Bemfe nach Rabbiner. Seine „datorau haraah‘‘ hatte er von seinen beiden großen Lehrern, dem , Chavas daas„ und Rabbi Akiba Eger. Er hat jedoch das Seelsorgeramt niemals ausüben wollen, sondern vorgezogen, als Lehrer sein Leben zu verdienen. Auf Empfehlung des Prager Rabbiners Rappoport, in dessen Hause er als Erzieher gewirkt hatte, kam er nach Ungarn als Erzieher der Söhne des Preßburger Rabbiners Rabbi Mosche Sofer und von da, nach Vollendung seiner Aufgabe, in gleicher Eigenschaft in

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