Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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■.. — 263 — Bedingungen in Erbpacht überlassen worden ist, unterstützt die Stadtvertretung, an I der Spitze Bürgermeister Dr. jur. Hesseliak von Suchtelen, auch in anderer Weife finanziell und moralisch die für die Schultern der wenigen und verhältnißmäßig unvermögenden jüdischen Familien sonst allzu schwierige Ausführung ihrer Bäupläne. So spendete der Bürgermeister aus eigener Tasche den Betrag von 400 Gulden und begleitete sein Geschenk mit einem herzlich gehaltenen, an den Vorstand gerichteten Schreiben, in welchem es u. a. heißt: „Ich würde mich glücklich schätzen, wenn Sie I als Beweis meiner Ehrerbietung für das alte und edle Volk Israel, dem das Christentum und die Gesittung so unnennbar viel zu danken haben, sowie insbesondere als Zeugniß meiner persönlichen Wertschätzung und Sympathie für seine Vertreter in unserer Mitte, meine jüdischen Mitbürger, die beigehende kleine Gabe betrachten wollen." — In London wurde Sir Marcus Samuel, ein führendes Mitglied der jüdischen Gemeinde, als Lord-Mayor gewählt. Sir Marcus Samuel wurde 1853 geboren; er ist seit 1891 Alderman und als Rheder, Großkaufmann und Präsident der Shell Transport Company bekannt — Mr. B. Lyonet Abrahams, der soeben an Stelle Sir Henry Waterfield's znm Finanzsekretär des Jndia Office ernannt worden ist, gehört zu den hervorragendsten jüdischen Persönlichkeiten in London. Er ist ein Neffe Mr. Israel Abrahams, der vor Kurzem als Nachfolger des Dr. Schechter nach Cambridge berufen.wurde. Sein schnelles Avancement im jugendlichen Alter von 33 Jahren ist eine außerordentliche Auszeichnung, da dieser Posten, mit dem ein Jahresgehalt von 1200 Lstr. verbunden ist, gewöhnlich nur an Leüte vergeben wird, die bereits einflußreiche Aemter in Indien selbst verwaltet haben. In seinen Mußestunden beschäftigt sich Mr. Abrahams mit literarischen Arbeiten und thut auch sehr viel für die jüdische Kolonie; er gehört auch zu dem angesehenen jüdischen Klub Londons, dem „Macabäus." Mr. Abrahams hat die Geschichte der Juden in England sehr eingehend studiert und wiederholt Aufsätze über dieses Thema in der „Jewish Quarterly Review" veröffentlicht. — In England wurde nun auch ein Verband der jüdischen Litteraturvereine (Union of Jewish Literary Societies) nach dem Muster und Vorbild des deutsche» Verbandes begründet. 24 Vereine haben sich jüngst in einer Konferenz in London zu diesem Zweck vereint. Der Sitz des Verbandes ist in London. Zum Vorsitzenden wurde Israel Abrahams, der Nachfolger Professor Schechters in Cambridge, zum zweiten Vorsitzenden Claude Montefiore gewählt. Wir nennen nur diese beiden Namen, weil sie die sicherste Aussicht für die gedeihliche Entwickelung der Institution bieten, die den großen Zweck verfolgt, die Kenntniß der jüdischen Geschichte und Litteratur unter den englischen Juden zu verbreiten. Wir wünschen unseren Glaubensgenossen in England den besten Erfolg auf diesem Gebiete, von dem allein die Bestrebungen zur Erhaltung und Kräftigung des Judentums ausgehen müssen. Das gute Beispiel, das nun Deutschland und England gegeben, wird hoffentlich zunächst auch in Oesterreich und Frankreich, sowie in Amerika, wo sich zahlreiche Litteraturvereine