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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-11-01 · Heft 11 (November 1902) · p. Seite 264

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 11 (November 1902)
Date
1902-11-01
Page
Seite 264 (sequence 24)
Language
German
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'• . irr r-r—!--r~.-—■. 1 .... I . " — 264 — befinden, nachwirken. — Man berichtet: Herr Herni. Friedländer-Wirballen ist vom General-Gouverneur von Warschau, Tschertkoff, als I. Stadtverordneter von Wirballen bestätigt worden. In Rußland, wo die Rechte der Juden so sehr beschränkt sind, bedeutet diese Wahl eines Israeliten zu einem städtischen Ehrenamte gewiß einen großen Fortschritt. — Daß der große Polendichter Adam Mickiewicz mit dem die eigentliche große Epoche der polnischen Poesie anhebt, der Schöpfer des einzig in seiner Art dastehenden polnischen Nationalepos „Herr Thaddäus", der glühende polnische Patriot, nach Sprache, Gesinnung und Kultur ein Pole gewesen ist, unterliegt natürlich keinem Zweifel. War er es aber auch der Abstammung nach? In seinen späteren Jahren stöberte Adam Mickiewicz in alten Familienpapieren und kam zu dem Schluß, daß seine Mutter einer zum Christen' tum übergetretenen Judenfamilie entstammte. Diese Entdeckung soll auf den Dichter, der damals bereits stark zur Mystik hinneigte, einen großen Eindruck gemacht haben. Er war nicht wenig stolz auf seine allerdings ziemlich weitläufige Vernmndtschaft mit dem Propheten Jeremias, dessen Schicksal dem seinigen so auffallend ähnlich war; auf Grund dieser seiner legendären Abstammung erklärte Mickiewicz, zurückgreifend seine Vorliebe für alttestamentarische Bilder und Methaphern, von denen seine Dichtungen durchtränkt sind, wie auch die warme Zuneigung für die Juden seines Vaterlandes, der er in der prachtvollen Figur des jüdischen Zimbelspielers Jankel Ausdruck gegeben hat, dessen „Konzert" zum Schluffe des „Herr Thaddäus" , eines der schönsten Stücke der polnischen Poesie bildet. — Von dem kürzlich verstorbenen russischen Bildhauer Marc Antokolsky ist ein Meisterwerk zurückgeblieben: „Die Inquisition". Der Petersburger Kunstkritiker W. Staffow schildert in der erschienenen Trauerrede auf Antokolsky die von diesem nicht mehr ganz zum Ab. schluß gebrachte plastische Gruppe. Ein fettleibiger spanischer Kardinal, der In. quisitor, steigt in einen Keller hinunter, wo die versammelten Marannen das Osterfest feiern. Einige erschrecken und eilen in ein Versteck. In der - Verwirrung werden Tische umgeworfen, Tischdecken heruntergerissen, das Gerät des festlichen Mahles auf den Fußboden gestreut. Da erscheint eine hohe Gestalt, ein mittelalterlicher Führer seiner Glaubensgenossen, der den Zitternden zuzurufen scheint: „Wohin eilt Ihr? Flößen Euch die Hellebarden und Schwerter der Inquisition Schrecken ein? O, nein! Gehet mutig dem Scheiterhaufen entgegen!" Antokolsky hat diese» dramatischen Moment in der ergreifendsten Weise festgehalten und dargestellt Inhalt: Die geistige Kultur der semitischen Völker. — Vom XIII. Internationalen Orientalisten- Kongreß in Hamburg. — Das Spinoza-Haus in Rijnsburg. — Ein Vorschlag zum Ankauf Palästinas. — Ausdeckung einer alten kananitischen Stadt. — Ein Besuch beim Rabbi von Sadagora. — Monatsschau. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber vr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Mgin.

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