Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 262 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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262 eilt mißliebiges, oder auch nur ein scherzhaftes Wort über Juden aus Lenau's Munde." — Der Schah von Derfien hat auf seiner europäischen Rundreise bereits wiederholt Gelegenheit gehabt, Adressen und Deputationen jüdischer Vereine zu empfangen, von denen er um seinen Schutz für die unglücklichen Juden Persiens gebeten wurde. Die angesehenste dieser Deputationen war sicher die des Centralkomitees der Alliance israelite universelle, die der Schah am 4. September in Paris empfangen, und die demselben eine Adresse überreicht hat, welche in deutscher Uebersetzung folgendermaßen lautet: „Es ist eine ehrenvolle Auszeichnung für unsere Gesellschaft, daß ihr der Vorzug zu Teil wird, Ew. Majestät ihre ehrerbietige Aufwartung machen zu dürfen. Nach dem Beispiele Ihrer erlauchten Vorgänger geruhen Ew. Majestät, Ihren israelitischen Unterthanen Ihren hohen Schutz zu gewähren, jeden Angriff auf deren Leben und Eigentum zu verhindern oder zu unterdrücken, denselben diejenige Ruhe zu verschaffen, welche ihnen die Früchte ihrer Arbeit sichert und die Möglichkeit bietet, alle Anstrengungen auf ihre geistige und sittliche Entwickelung zu richten zu ihrem eigenen Wohle und zum Wohle des Reiches. Wir haben ihnen unsere Hilfe angedeihen lassen, um in den großen Städten des Reiches Schulen zu errichten, welche von einer großen Anzahl von Zöglingen besucht werden, die fleißig arbeiten und sich ausbilden. Die Gründung dieser Schulen hat seitens Ew. Majestät, seitens der Minister Ew. Majestät und Ihrer Gouverneure wertvolle Förderung erfahren. Wir sind bestrebt, diese Gunst zu rechtfertigen, in dem wir die Schüler dieser Anstalten zu treuen, Ew. Majestät ergebenen Unterthanen erziehen. Die Israeliten Persiens lobpreisen den Namen Ew, Majestät, und wir vereinigen uns mit ihnen, um Ew. Majestät unsere unauslöschliche Dankbarkeit für die Güte und das Wohlwollen zum Ausdruck zu bringen, das Sie für unsere Glaubensgenossen in Persien zu erkennen geben. Wir bitten Gott, daß er Ew. Majestät eine lange, ruhmvolle Regierung gewähren' und daß er das kostbare Leben Ew. Majestät zum Heile der Völker Ihres Reiches erhalten möge." Der Schah empfing die Mitglieder der Deputation in huldvoller Weise. Er antwortete auf die Adresse, daß er seit seinem Regierungsantritt den Israeliten seines Reiches stets seinen Schutz habe angedeihen lassen, und daß er auch in Zukunft fortfahren werde, sie zu schützen und ihnen sein Wohlwollen zu bezeugen. Er fügte hinzu, daß ihm die von der Alliance in Persien begründeten Unterrichtsanstallten bekannt seien, daß er dieselben schätze und hoffe, daß sie zur Hebung der israelitischen Bevölkerung seines Landes beitragen werden. — In Davos hielt ein „furchtbares Ereigniß" die Gemüter in Aufregung. Mit einer Stimme Mehrheit hat die Gemeinde einen Bekenner der jüdischen Religion ins Bürgerrecht ausgenommen. Es ist nun die Rede, den Beschluß der Gemeinde, der nach der Meinung der Unterlegenen ein Schandfleck für den Kurort Davos ist, anzufechten. — In Wageningen (Provinz Gelderland) wo der dortigen jüdischen Gemeinde der Grund und Boden zur Errichtung einer Synagoge unter ausnehmend liberalen