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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-11-01 · Heft 11 (November 1902) · p. Seite 261

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 11 (November 1902)
Date
1902-11-01
Page
Seite 261 (sequence 21)
Language
German
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261 Judenbad und ließen sich über dessen kulturhistorische und architektonische Eigentümlichkeiten ausführlich unterrichten. Trotzdem dieser Bau weder gepflegt noch bis heute irgend wie restauriert wurde, hat er sich vorzüglich erhalte», und alle Schicksalsschläge, deren die Stadt in den Jahrhunderten leider so viele erfahren, aufs wunderbarste überdauert. Wäre es nicht eine Pflicht der deutschen Judenschaft dieses uralte Wahrzeichen jüdischer Kultur der Aflgemeinheit und durch eine durchgreifende Abtragung des aufgeschütteten Erdreiches der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen, welcher sich hier gewiß eine reiche Fundstätte eröffnen dürfte; diese Annahme erscheint um so berechtigter, als in der „Judenbadgasse" — ganz dicht in der Nähe des Bades — 80 cm unter der jetzigen Straßenkrone ein wohlerhaltenes Straßenpflaster gefunden wurde. In erster Linie wäre allerdings erforderlich, daß sich die Mittel zusammenfinden würden, um die Bauanlage wieder in „jüdischen Besitz" zurückgelangen zu lassen, und wäre der Zweck dieser Zeilen erreicht, wenn sie zu einer Diskussion in diesem Blatte über die einzuschlägenden Wege Anlaß geben würden. — Man berichtet: Die vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde eingerichteten Fortbildungskurse für Cantoren beginnen in diesem Jahre unmittelbar nach den hohen Feiertagen. Anmeldungen sind an Herrn Hauptkantor A. Friedman«. Kerli« E., Große Hamburgerstr. 38 zu richten. Die Kurse sind für qualificirte Teilnehmer unentgeldlich. — Eine ansehnliche Schenkung ist von einer Dame aus Frankfurt a. M., der Frau Max Goldschmiedt, geb. Freiin von Rothschild, der Gemeinde in St. Woritz gemacht worden: 70000 Franken, wovon 50000 Franken zum Zwecke einer Alters- und Invaliden - Versorgunskasse für die Gemeindenangestellten verwendet werden, 10000 Franken dem Armenfonds St. Moritz und 10000 Franken dem Kreisspital zufließen sollen. Die Schenkung ist eine Art Jubiläumsgabe; sie wurde durch den Umstand veranlaßt, daß Frau Goldschmiedt zum 25. Male den Bündner Kurort besuchte. — Herr Warr von Gnttmann in Wien hat zum Dank für seine glückliche Errettung aus der Gefahr eines gegen ihn gemachten Mordanschlages den Betrag von 400000 Kronen für zahlreiche wohlthätige Anstalten gespendet; darunter entfallen auf das von Wilhelm und David von Guttmaun errichtete israelitische Mädchenwaisenhaus in yberdöbling 50000 Kronen. — Arber Nikolaus Lenau s Seziehungen zum Judentum bemerkt aus Anlaß der 100 Jahrseier des großen Dichters sein langjähriger Freund Ludwig August Frankl in einem bisher ungedruckten Briefe an einen Berliner Schriftsteller: „Lenau pflegte gern mit litterarisch gebildeten Juden Umgang, so mit dem Professor der Geschichte Romeo Seligmann, mit dem geistvollen Banquier Adolph von Hess, mit dem phantastischen Jokel, der sich später taufen ließ und katholischer Priester wurde. Und der Gatte der von ihm angebeteten Sophie war der Sohn des jüdischen Bankiers Löwenthal. Mir selbst (L- A. Frankl) wurde die Lebensgunst zu teil, mit Lenau ein Vierteljahrhuildert lang zu verkehren. Der intime Umgang mit ihm führte endlich zu treuer Duzbrüderschaft. Nie kam

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