Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 259 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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259 aus Mangel an Wasser und an Geld ist es jedoch nie zur Aufstellung des großartigen Kunstwerkes gekommen, weshalb der Brunnen in der Peunt, dem damaligen Bauamt, in einem hölzernen Hause, aufbewahrt wurde. 1798 verkaufte der Rat der Stadt Nürnberg, als die Stadt verarmt und durch die Kriegsverluste in schwere Schulden geraten war, für 66000 Gulden den Brunnen an den Kaiser Paul von Rußland, und heute noch bildet der Brunnen eine Zierde des Schloßgartens im Peterhof. Der Wunsch der Nürnberger, ihren Brunnen wieder zu haben ist selbstverständlich nicht erfüllbar gewesen. Der Kaiser von Rußland hat aber ans diplomatische Ersuchen die Erlaubnis zur Herstellung eines Gipsabgusses zum Zwecke der Nachbildung für Nürnberg gegeben, und nunniehr wird eine Nachbildung des Brunnens auf dem Markt zu Nürnberg aufgestellt werden; dem Wassermangel ist jetzt abgeholfen und dem Geldmangel dadurch, daß ein Nürnberger Bürger Herr Kommerzienrath Ludwig Gerngroß, die Kosten der Nachbildung und Aufstellung mit 80000 Mark hergab. Die „Münchener Neuesten Nachrichten", welche seinen Namen nennen, aber nicht im Gerüche übertriebener Judenfreundlichkeit stehen, berichten den Sachverhalt und sagen: „Die hochherzige Spende ist eine nationale That, die im ganzen Vaterlande als solche gewürdigt zu werden verdient." Ludwig Gerngroß, der schon manche andere hochherzige Spende seiner heutigen Vaterstadt, zuwendete, ist zum Ehrenbürger der Stadt Nürnberg vor längerer Zeit schon von den gemeindlichen Kollegien einstimmig ernannt worden.— Das „Mädchenstift" in Frankfurt a M. versendet einen Bericht über die Jahre 1899/1902. Zunächst giebt derselbe einen Ueberblick über die seit Gründung der Anstalt im Jahre 1877 verflossenen 25 Jahre. Die Ehrenpräsidentin, Frau Charlotte Speyer, schenkte das Haus Rückertstraße 9, stattete dasselbe vollständig aus und spendete außerdem 30,000 Mark zur Begründung eines Kapitalstocks. Am 1. Mai 1877 wurde die Anstallt mit sechs Zöglingen eröffnet, 1878 betrug die Zahl der Zöglinge 18, Ende 1879 schon 24. Am Schluß des Jahres 1901 waren es 22. An Geschenke für den Betrieb gingen ein: 1899, 2335 Mark, 1900, 2755 Mark. 1901 2735 Mark. Für den Kapitalstock 1900, 2000 Mark, 1901, 5000 Mark. Zu Neujahrsbescherungen wurden gespendet 410, 460, 439, Mark. Ferner für Ausflüge 70, 240, 325 Mark. Die Mitgliederbeiträge beliefen sich im Jahre 1901 auf 3278 Mark, die Pflegegelder (a 30 Mark per Monat) auf 7370 Mark, die Zinsen auf 4157 Mark. Dagegen betrugen die Haushaltungskosten 14,200 Mark, die Verwaltungskosten 4205 Mark. Das Defizit wurde durch Entnahme aus dem Reservefonds und der Ch. Speyerschen Stiftung für unvorhergesehene Fälle gedeckt- Der Zweck der Anstalt ist, herangewachsenen und einer geeigneten hiesigen Häuslichkeit entbehrenden Mädchen, welche sich einem mehr als Elementarbildung erfordernden Berufe widmen, den Schutz eines geordneten und gesitteten Hauswesens zu gewähren, sowie auch, falls die Mittel dazu ausreichen, ihnen die Gelegenheit zur Fortbildung zu verschaffen. -- Am 15. September fand in Rostock i. M., die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt Das Gottes»