Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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252 israelitischen sind sehr zierlich in der Form, während dagegen die spätisraelitischen schwerfällig und plump sind. Nach den Thonfunden konnten wir genau konstatiere», welches Volk hier und welches dort gewohnt und schließlich wußte sich sogar fast jeder Arbeiter seine richtige Meinung davon zu bilden. Dadurch finde ich die Resultate der Engländer, die von klassischen Archäologen angezweifelt wurden, glänzend bestätigt." In den Photographien, die Professor Sellin aus Palästina mitgebracht hat, sind die Merkmale, welche den Thonarbeiten der einzelnen Volksstämme eigentümlich sind, genau ersichtlich. So zeigt ein kananitischer Topf eine Art Palmblatt als Dekoration, ein phönizischer ein Leiter-Ornament, während sich der israelitische Topf nur in der Form, weniger im Stoffe davon unterscheidet. Eine der interessantesten Ausgrabungen, welche Professor Sellin geglückt ist, bildet ein israelitischer Räucheraltar. Man fand ihn ungefähr zwei Meter unter der Erdoberfläche. Er besteht ans hartem Thon und ist mit Cherubim geziert Bisher existierte im Original noch keine Darstellung der Cherubim, von denen so oft in der Bibel gesprochen wird. Außerdem ist dieser Räucheraltar, welcher beweglich ist, noch mit anderen mythischen Darstellungen'geschmückt. Die Abbildung des Altars zeigt einen Lebensbaum, nach welchem zwei Tiere schnappen, ferner den Kampf des Menschen mit der Schlange und anderes, also Bilder, die mit biblischen Vorstellungen Zusammenhängen. Professor Sellin nennt diesen Räucheraltar das Glanzstück seiner Ausgrabungen. Die Expedition stieß bei ihren Arbeiten auch auf zahlreiche Götterbilder. So war die „Astarte" in vielen Exemplaren vertreten. Fast in jedem israelitischen und kananitischen Hause entdeckte man welche. Auch ägyptische Götterbilder aus hellgrünem Porzellan kamen zum Vorschein, dann massenhaft Opferwerkzenge aus Bronze und Stein. Von Spuren der eigentlichen israelitischen Religion, die ja eine rein geistige war, konnte man, wie Professor Sellin sich äußerte, nichts entdecken. Professor Sellin wurde bei seinen Arbeiten von der deutschen Kolonie in Palästina auf das thatkräftigste unterstützt. Nach den Ergebnissen der Expedition zu schließen, wird es dem Gelehrten möglich sein, ein vollständiges Bild von der Kultur und den religiösen Verhältnissen der Israeliten und Kananiten in Palästina zu zeichnen. Km Wesuch beim Mabbi von Sadagora. Bon vr. Adolf Kapralik. Es war ein schöner Julimorgen. — Einfarbig blau glänzte der Himmel, und die Sonne — obschon es erst acht Uhr war — sandte schon ihre glühenden Strahlen zur Erde. Kein Lüftchen regte sich. Wir fuhren zu Dritt in einem