Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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251 Aufdeckung einer alten kananitischen Kladt. Der Professor der alttestamentlichen Exegese an der evangelisch-theologischen Fakultät in Wien, Dr. Ernst Sellin, dessen Expedition zur Erforschung des antiken Palästina von großen Erfolgen begleitet war, ist am 1. August nach Wien zurückgekehrt. Der Gelehrte ist von seiner Reise sehr befriedigt und gedenkt seine Expedition im Laufe der Zeit zu wiederholen. Sellin kann es nicht genug lobend hervorheben, daß anläßlich seiner Reise nebst den Unterstützungen, welche ihm das Ministerium und die Akademie der Wissenschaften angedeihen ließen, auch ans privatem Wege die zu den Ausgrabungen erforderlichen Mittel herbeigeschafft wurden. Professor Sellin hat Mitte Februar Wien verlassen und am 9. März auf dem Hügel Taanak im Kananitischen die Ausgrabungen begonnen. „Es wurde furchtbar gearbeitet," sagte Sellin, „wir fingen schon um 6 Uhr früh an und hörten erst uni 6 Uhr abends auf. Dabei gab es blos eine halbe Stunde Frühstücks¬ und anderthalb Stunden Mittagspause. Ich hatte mit 150 Arbeitern die Ausgrabungen durchzuführen, nur während der Ernte mußte ich mich, weil mir die Leute wegliefen, auf 40 Mann beschränken. Auf dem Hügel Taanak (Tell Taanne) hatten wir Baraken. Man ist in ihnen nicht so sehr der Hitze ausgesetzt wie in Zelten und ich würde den Forschern nach den Erfahrungen, welche ich gemacht habe, immer nur Baraken znm Wohnen empfehlen. Was die Ansgrabnngen betrifft, hat Professor Sellin viele große Bauten einer kananitischen Stadt aufgedeckt. Er stieß auf eine kananitische Burg, die aus dem 14. Jahrhundert v. Ehr. stammen dürfte. Sie ist aus rohbehauenen Steinen aufgebaut und das einzige Bauwerk, das bisher bloßgelegt wurde. Allerdings, meint Sellin, haben Engländer mehrmals schon Überreste von solchen Burgen gefunden, aber bloßgelegt wurde von ihnen bisher noch keine einzige. Außerdem kam der Gelehrte im Osten des Hügels Taanak an eine israelitische Burg, die seiner Meinung nach von König Salomo erbaut wurde und die lebhaft an die Tempelmauern in Jerusalem erinnert. Bisher kannte man noch keine solche. Im Westen des Hügels fand Sellin eine spätisraelitische Burg, die sich in der Behauung der Steine, die bei ersteren sehr regulär ist, von dieser wesentlich unterscheidet. Auch ein arabisches Schloß, welches aus schön behauten Steinen gefügt, aber jedweder Ornamentierung baar ist, wurde aufgedeckt. Auf Grund der Vorgefundenen Thonscherben konnte man feststellen, daß dieses Gebäude aus der Zeit Karl's des Großen herrühre. Überhaupt bilden, sagt Professor Sellin, die Thongeräthe den Schlüssel zur Archäologie von Palästina. „Gerade hierin hatten wir die größte Ausbeute. Wo es keine Inschriften -gab, da mußten die Töpfe zu uns reden. Die amoritischen Thongeräthe zum Beispiel weisen im Style phönizischen Einfluß auf, die klassisch-