Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969893-2969904--6748-2976099- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
250 i *ik h von der Notwendigkeit und Pflicht, das ruhmreiche herrliche Land Palästina unter christlichen Einfluß zu bringen, überzeugt sein werden, wird auch das Geld im Ueberfluß in die Kassen der Gesellschaft fließen. Eine Untersuchung wird jetzt gepflogen, um uns in den Stand zu setzen einen approximativen Voranschlag für das notwendige Geld aufzustellen. Sobald die Gesellschaft gebildet sein und das genügende Geld haben wird, damit sie entsprechend solch einer erhabenen Sache auftreten kann, wird an eine christliche Macht oder an die christlichen Mächte mit dem Ansuchen herangetreten werden, mit der Türkei wegen Ankauf Palästinas im Namen der Christenheit zu unterhandeln. Palästina soll dann zur Republik gemacht werden, und die Mächte sollen seine Unabhängigkeit, Neutralität und Integrität garantieren. Es soll ein lebendes Beispiel des Friedens auf Erden abgeben. Wenn wir von dem Ankauf des heiligen Landes durch die Christenheit sprechen, soll damit nicht gesagt werden, daß Menschen anderen Glaubens aus dem Lande, ausgeschlossen werden sollen. Nein, die Christen haben blos das erste und kräftigste Recht darauf. Die Sehnsucht der Christenheit ist es, Palästina zu seiner früheren Große und zu seinem früheren Gedeihen wieder zu bringen und die Geburtsstätte Christi mit dem Mantel der Bruderliebe zu bedecken." W. T. Stead, der bekannte Publizist und Friedensapostel schreibt über diesen Vorschlag: „Wenn Mr. Greenes Vorschlag sich bewirklichen und die notwendigen Millionen zur Stelle sein werden, und der Sultan geneigt wäre, Palästina einem Syndikate zu verkaufen — lauter Dinge, die ich für unmöglich halte — dann würde ein europäischer Krieg das Endresultat sein." Der Dichter H. Rider Haggard äußert folgende Ansicht: „Jedermann muß mit dem Wunsche sympathisieren, daß das heilige Land in die Hand der Christen übergehe. Aber welcher Christen? Die eifersüchtigen Rivalitäten der verschiedenen Sekten, welche oft in Thätlichkeiten ausarten, sind ja Gegenstand des Spottes der Moslim und der Juden. Wenn die Mitglieder des protestantischen Zweiges des Glaubens in der ganzen Welt von Palästina Besitz nehmen könnten, wäre es für sie und für alle Christen der verschiedenen Schattirungen und Ansichten gut, denn sie könnten Vertrauen habeü, gerecht behandelt zu werden. Aber wenn dieser Besitz in andere Hände fallen wird, wäre die Lage der Protestanten der verschiedenen Nationen einfach unmöglich. , Eher als das .eintreten sollte, wäre es viel besser, daß die Macht bei den Türken bliebe, welche die verschiedenen Sekten der Christenheit mit einer gewissen geduldigen Unparteilichkeit ansehen, die in vollständiger Verachtung ihren Grund hat-" Von den Juden ist in diesem Vorschläge nicht die Rede, der Projektant hat nur eben tuichtL-dagegeu^ daß Nichtchristen aus dem Lande ausgeschlossen seien. Welche Stellung nehmen die Zionisten zu solchem Projekte ein?