Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Dom XIII. Internationalen Arientalijten-Kongreß in Kamburg. In der allgemeinen semitischen Sektion besprach Rabbiner Prof. Dr. G. Klein- Stockholm einige Stellen des Buches Daniel. Er wies nach, daß eine Reihe von Stellen im 2., 4. und 7. Cap. sich mit Sicherheit auf den Tyrannen Antiochus Epiphanes von Syrien deuten lassen. Er sei der Antichrist, gegen den sich der ganze Haß des jüdischen Volkes wende. In Verbindung damit wieS> Di\ Klein am Schluß auf den innigen Zusammenhang zwischen dem Buche Daniel und der johannÄschen Apokalypse hin. Im Gegensatz zu der herrschenden Meinung, die die symbolische Zahl 666 in Apok. 13, 18 auf Nero Cäsar deutet, erklärte er sie vielmehr als übereinstimmend mit dem Zahlenwert der Buchstaben in dem hebräischen Gajus schikkuz. Das bedeutet aber: „Cajus, der Gegenstand deS religiösen Abscheu's". Mit dieser Person ist nun eben nicht Nero, sondern Caligula (eigentlich Gajus Cäsar Germamkus) als der Antichrist des 13. Capitels der Apokalypse erwiesen. Prof. Grimme - Freiburg (Schweiz) stellte in seinem Vortrage: „Der ’ ursemitische Ablaut" die These auf, daß der Ablaut in den semitischen Sprachen . noch viel zu wenig berücksichtigt werde. Dieser sei das eigentlich Unterscheidende ■ zwischen semitischen und nicht semitischen Sprachen; auf ihm und seinen Folge» ' erscheinungen müßte jede semitische Grammatik aufgebaut werden. . Prof. Nestle - Maulbronn referirte über das Vorkommen eines Baal ■ tetramorphos, d. i. eines viergestaltigen oder besser eines vierköpfigen, viergesichtigev Baal. Dieser Baal finde sich sogar in der Bibel angegeben, wenn auch nur in der syrischen Uebersetzung. Kirchenväter späterer Zeit setzen diesen vielgestaltige« Baal als ganz bekannt voraus. Wir finden ihn auch angedeutet im ersten Capitel des Ezechiel. Dort heißt es Vers 10 von vier Thieren mit je vier Gesichtern : Vorn ein Menschengesicht, auf der rechten Seite ein Löwengesicht, - auf der linke« Seite ein Stiergesicht und ein Adlergesicht nach innen zu. Das ist das Gleiche, was die Offenbarung Joh. Cap. 4, 7 von den vier Thieren sagt. Die bei Ezechiel . jedem der vier Wesen zugeteilten Gestalten verteilen sich hier auf je eins. Beides, die ezechielische und die johannöische Auffassung findet sich dann, etwa vom 5. Jahrhundert an, in den bekannten Symbolen der Evangelisten wieder, von denen . Mathäus als Mensch, Marcus als Löwe, Lucas als Stier und Johannes als Adler dagestellt wird. So erkennen wir, wie diese Symbole der Evangelisten sich einfach auf heidnischen Semitismus zurückführen lassen, auf den Baal tetramorphos. Herr Prof. Merx-Heidelberg sprach über den Einfluß des alten Testaments auf die Entwickelung und Ausgestaltung der Universalgeschichte, Herr Dr. Rahmer« . Magdeburg über die Epistolae des Kirchenvaters Hwonymus. Herr Kotelmavy» j Hamburg über den Farbensinn der alten Hebräer. I '