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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-11-01 · Heft 11 (November 1902) · p. Seite 242

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 11 (November 1902)
Date
1902-11-01
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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erklärt uns, daß nur die Lyrik und die Musik, eben die subjektiven Kunstschöpfungen von den Semiten ausgebildet wurden, während das Epos bei Griechen, Persern und Germanen in höchster Vollendung vertreten und ebenso das Drama, ihnen fehlt. Nur die Kunst, die Poesie, überhaupt die Dinge werden ausgestaltet, die Erzeugnisse heftiger Leidenschaft sind; und höchst bezeichnend ist, was v. Maltzan in seinen Sittenbildern aus Tunis und Algerien (S. 147) als Ausspruch eines Arabers der Gegenwart berichtet. Der Araber sagte: „Ihr Europäer seid kluge Leute, ihr habt Eisenbahnen, Dampfschiffe, Telegraphen, und wie alle diese Dinge heißen mögen, die nur Kausleuten und Spitzbuben Nutzen bringen, erfunden; ihr wißt eine Menge Dinge, ja ihr wißt alles, was der Verstand fassen kann. Aber von Gefühl ist bei euch keine Spur. Ihr glaubt zu wissen, was Liebe sei, aber ihr irrt euch. Ihr habt keine Ahnung davon. Das, was ihr Liebe nennt, das ist nur Rosenwasser, nur ein elendes Schattenbild, ein ohnmächtiger Schemen. Aber wie kann es auch anders sein bei eurem Geschlecht, bei einem Geschlecht, welches Mandelmilch statt Blut in den Adern hat, über welchem eine Sonne scheint, die so blaß wie der Mond ist, bei einem Geschlecht, dessen blasse Hautfarbe hinlänglich seine Verwandtschaft mit dem Eis des Nordpols verrät. Nein, wer die Liebe kennen lernen will, der muß Blut in den Adern haben, heißes kochendes Blut, wie wir Araber, was sage ich Blut — nein Feuer, Feuer rollt durch unsere Pulse, unsere Liebe ist eine glühende verzehrende Flamme." Die. bleibende, und höchste Bedeutung der semitischen Völker liegt auf dem Gebiet der Religion; hier haben sie ihre ganze Kraft gezeigt, hier sie auch nahezu ganz erschöpft. Entsetzliche Verzerrungen hat die Religion erlitten auf dem Gebiete dieser Völker; rohe Blutgier, wilde Grausamkeit, abscheuliche Schande, Fanatismus, Scheinheiligkeit, hochmütige Selbstgerechtigkeit und Heuchelei haben unter dem Schutze und im Dienste semitischer Religionen förmliche Orgien gefeiert, aber auch die gewaltigsten und kostbarsten religiösen Errungenschaften sind von semitischen Völkern ausgegangen, die geistige Gottesanschauung des Alten Testaments,, die Auffassung der Stellung des Menschen zur Natur, deren sittliche Höhe auch die Anschauung des griechischen Volks weit übertrifft, das sittliche Recht und sittliche Ziel menschlicher Kulturarbeit, die ethisch begründete und ebenso abgezweckte unbedingte Superiorität des Geistigen über das Physische, das Recht des Individuums auf unmittelbaren Verkehr mit einem überweltlichen persönlichen Gott, das sind geistige Güter, welche die glücklicher begabten arischen Völker, die in das Erbe der semitischen eintraten, nicht zu erwerben brauchten, sondern übernehmen konnten. Als weitere Eigentümlichkeit des geistigen Charakters der Semiten wird hervorgehoben: allen Semiten eignet die Gabe zu scharfer Beobachtung des Einzelnen, ihnen allen fehlt die Gabe, das Ganze als ein Ganzes zusammen zu schauen und das Verhältniß der Teile unter sich und zum Ganzen richtig zu ermessen und ab-

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