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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. Seite 237

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Date
1902-10-01
Page
Seite 237 (sequence 22)
Language
German
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237 zu bereiten. Schon am 31. Mai d. I. wurde in einer außerordentlichen Generalversammlung des Wiener Hausfrauen-Vereins seitens des Zentral-Ausschusses der Antrag auf Errichtung einer „Ottilie Bondy-Stiftung" eingebracht, welcher von den zahlreich erschienenen Mitgliedern unter großem Beifall einstimmig angenommen wurde. Man konnte bei dieser Angelegenheit hören, mit welcher Wärme und Anerkennung die hervorragenden Verdienste der Jubilarin um das Zustandekommen und Emporblühen des Wiener Hausfrauen-Vereins hervorgehoben wurden. — In der Sitzung vom August hat der Prager Stadtrat eine Zuschrift der Stadthalterei zur Kenntnis gebracht, wonach nun doch das Ministerium die Expropriation eines Teiles des Prager Judenfriedhofes verfugt hat. — Bekanntlich hieß der Großvater der Frau des Wiener Hauptantisemiten Georg Schönerer — Schmul Lob Kohn. Dieser Bluteinschlag scheint doch nicht ohne Einfluß in dem Hause derer von Schönerer gewesen zu sein. Denn die Tochter Schönererverliebte sich in einen jüdischen Oberleutenant B. des in Krems liegenden Infanterie-Regimentes. Als dieses Verhältnis bekannt wurde und Fräulein Schönerer zur Hochzeit drängte, hielt der jüdische Offizier um ihre Hand an. Ritter Georg versagte seine Zustimmung und zeigte wutschnaubend den Oberleutenant beim Regimente an» das jedoch das Vorgehen des Offiziers billigte. Fräulein Schönerer hat das Elternhaus verlassen und klagt ihren Vater auf Herausgabe ihres Erbteils an. So hat also eine Sprossin Schmul Löb Kohns wieder den Weg zu den ihrigen gefunden. — Seitens der k. k. n.-ö. Statthalterei ist beim israelitischen Kultus-Borstand in Wien eine Zuschrift eingelangt, daß der vorstorbene Privatier Herr Julius Joachim Frankel letztwillig ein Kapital voil sechshunderttausend Gulden (1,200,000 Kr.) ö. W., von welchem seiner Gattin lebenslänglich der Zinsgenuß zustehen soll, zur Errichtung von Stipendien im Betrage von fl. 200— 500 für arme Studierende isr. Konfession an der Wiener Universität, ohne Unterschied der Nationalität, gewidmet habe. — Im Süddeutschen Musikverlag in Straßburg ist von Hans Aoeßler, ord. Professor in Budapest, eine neue Ausgabe des „Kol-Nidre" erschienen, für Chmc, Solostimme und Klavier. Der Herausgeber hat zum Zwecke der Sammlung aller jetzt noch vorhandenen Kol-Nidre-Melodien weite Reisen unternommen, und die Originalmelodie in möglichster Vollendung auf Grund von 20 Überlieferungey herzustellen versucht. Hieferate und Mitteilungen. Wenn wir von den Neuerscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur berichten, geschieht es blos aus Liebe zu derselben. Jeder Autor, der seine Publikation in hebräischer Sprache ab faßt oder jüdisches Wissen popularisiert, hat erstens zum Riesenbau der jüdischen Literatur beigetragen, und dann ist es eine schöne

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