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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. Seite 229

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Date
1902-10-01
Page
Seite 229 (sequence 15)
Language
German
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7^7^7777777 KV wm' U I m m — 229 — M Bk m m W daß das Leben nicht ein Schlachtfeld ist. auf dem der Sieg dem Stärksten und Geschicktesten zufällt, sondern dem Würdigsten; wir sprechen zu ihnen von ihren Eltern, und davon, daß sie denselben Ehrfurcht, Zärtlichkeit, Gehorsam und Dankbarkeit schuldig sind; wir sprechen vom Vaterlande und den Ansprüchen, die eS an jedes seiner Kinder hat; wir sprechen von der Menschheit und den Pflichten, welche Klein und Groß gegen sie hat. Nun, wo ist die Gefahr? Glaubt ihr, daß, wenn wir so zu euren Kindern sprechen, wir nicht für euer Glück und das Glück eurer Kinder thätig sind? Doch genug hiervon ... es gibt Fehler, die nur gekennzeichnet zu werden brauchen, um nicht mehr begangen zu werden, und ich bete zn Gott, daß er von nun ab ersparen möge denen, welche in besonderer Weise die Verantwortung für die Zukunft deS Judentums haben, daß er ihnen ersparen möge den Schmerz, durch unvernünftige Gleichgiltigkeit oder sträfliche Feindlichkeit diese Zukunft in Frage gestellt, gefährdet, bloßgestellt zu sehen. Ich bete zu ihm, daß er segne diese heiligen Tage, welche die Macht und die Seligkeit der Religion predigen, eindringlicher als irgend eine menschliche Rede es je vermöchte. Ihr seid hierhergekommen, verlaffend euer Hans, zurückdrängend alle Sorgen, alle Bomrteile des gewöhnlichen Lebens; ihr kamt hierher, voll einer reinen Freude, durchdrungen von vorne herein von tiefer Erregung bei dem Gedanken, daß ihr vor eurem Gotte, eurem Vater und Richter erscheinen wollt, um ihm, in der Mitte der Brüder, darzubringen den Dank eurer Frömmigkeit, den Ausdruck eurer Liebe, die Ergüsse eurer Reue und das Versprechen eures Gehorsams. Und jetzt ist euer ganzes Wesen wie umgewandelt unter dem Eindruck deS Gebets, und ihr empfindet es, ihr seht eS ein, durch den Frieden, der in eure Seelen herabgestiegen, durch den Schwung des Glaubens und Vertrauens, der euch über euch selbst erhebt, daß die Religion Recht hat» wenn sie dem Menschen von einem anderen Vaterlande als die Erde, von anderen Bestrebungen und Befriedigungen spricht, als die der Welt sind, „daß die Freude in Gott die wahre Freude und die wahre Kraft ist". (Nehem. 8,10.) Ja, daS sind wohl angebrachte Stunden, die wir in solcher Weise Gott, der Gottesverehrung, dem Gebete, den frommen Betrachtungen widmen! Es ist wahr, sie sind schnell und flüchtig, diese Stunden und wenn sie vorbei sind, scheint eS, daß sich nichts geändert habe in unseren Herzen, in unserer Gesinnung, in unserem Leben. DaS ist Schein, das ist Täuschung! Die Stimme Gotteertönt nicht vergebens in unserem Busen: „Gott sprach ein Wort und ich habe deren zwei gehört." (Psalm 62, 12.) Das Wort Gottes tönt nach in einem mächtigen Echo. Diese Feste werden längst vorüber sein, wie alles vorüber geht, aber der Widerhall dieser göttlichen Stimmen wird nicht ganz entschwinden. Wer kann wissen, in wie weit es nicht schon gewirkt, nicht schon schwankende und schwache Gemüter gestärkt hat im Guten uüentschlossene Willenskraft? Ob es nicht schon Schmerzen beruhigt, Thränen ,W'\\; m

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