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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. Seite 225

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Date
1902-10-01
Page
Seite 225 (sequence 11)
Language
German
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— zzo Mi/Meinbaren Schwäche, berufen sind? Ueber aller sichtbaren, groben Wirklichkeit, die ' umgibt, ein höheres überirdisches Gut erkennen, ahnen, ersehnen; Sorge tragen M/ für die ewigen unvergänglichen Dinge; überzeugt sein, daß das Leben mit allen M'; feinen Kämpfen, seinen Freuden, seinen Triumphen, seinen Leidenschaften und seinen Ms,-Prüfungen, da« ganze Geheimnis unserer Bestimmung nicht enthalten kann; sich in Schranken fühlen in dieser Welt trotz allem, was sie Verführerisches und Bezauberndes bietet; auf den Flügeln des Gedankens und des Gefühls sich erheben zu einer reiner», ruhiger», weitern Welt, wo unsere Seele, als in ihrer wahren Heimat sich wohler fühlt; suchen jenes unendliche Wesen, welches in einer erhabenen Vollkommenheit alle Schönheit, alle Größe, alle Seligkeit vereinigt, und welches die Gerechtigkeit, die Wahrheit, die Liebe selbst ist; wissen, daß man unter dem fort- ,währendem Schutze und der unaufhörlichen Fürsorge der göttlichen Vorsehung steht; aus dieser Idee einen Zügel bereiten für unsere Leidenschaften, eine Regel für unser Verhalten, ein Licht für unser Leben; (Psalm 119, 105); im Glücke nie verlieren das Bewußtsein unserer Schwäche und unserer Abhängigkeit; im Unglück im Schmerz «mit Mut und Festigkeit anerkennen und annehmen die Prüfung, welche stärkt, die .Unterweisung, welche bessert wie Hagar im Festabschnitt, wenn uns alles zu fehlen .scheint, wenn die Erde uns treulos im Stich läßt, mit den Augen des Geistes, wenn nicht mit denen des Körpers, den Engel des Himmels wahrnehmen, der uns ein Zeichen gibt, uns ermutigt, uns beruhigt und uns zeigt, wo die Quelle des belebenden Wassers fließt; wie Hanna in der Haptharah, die fromme Israelitin» die betrübte Gattin und später die so glückliche Mutter, im Gebete, das in breiten Wogen der gepreßten Brust sich entwindet, Kraft, Hoffnung und Hilfe suchen; mit einem Worte: in dem Gottesgedanken unerschütterlich finden die Stütze, die uns aufrecht erhält, die Feuersäule, die unfern Weg beleuchtet, die Kraft der Tugend, die dem Leben Würde giebt und uns vor Verzweiflung bewahrt, den Strahl aus der Höhe, der dies „Thal der Thränen verwandelt in eine Pforte der Hoffnung." (Hosea 2. 17). DaS ist und ich habe noch lange nicht alles gesagt, daS ist wahre Frömmigkeit! Das ist die Macht und die Wirksamkeit der Religion! Seid ihr nicht der Meinung, daß die Religion, wenn sie so aufgefaßt wird — und sie kann nicht anders aufgefaßt werden — zu denjenigen Dingen gehört, auf welchen die Würde und der Adel der Menschheit beruht? Ja, ich behaupte, ein Mensch» dem diese hohen Regungen vollständig fremd sind; ein Mensch, dem der Sinn für das Göttliche mangelt, ist kein ganzer Mensch; ist ein verstüminelteS 'Wesen, er mag sonst noch so viel Talent, noch so viel Wissenschaft, noch so viel .Genie und selbst noch so viel Tugend haben; er ist umgeben von Irrlichtern, oder vielmehr von tiefer Finsternis, (Hiob, 5, 22); er wird von lügenhaften traurigen Jlluffionen getäuscht, und eines Tages wird er daS Nichtige der Scheingüter erkennen, die er zu seinen Göttern gemacht hat. (Irrem. 16, 20).

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