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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. Seite 221

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Date
1902-10-01
Page
Seite 221 (sequence 7)
Language
German
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halten sollten *). In unserer Zeit aber, in welcher wir vom Götzendienst, seinen Freveln und Unsitten nicht mehr umgeben sind, da Christentum und Islam nach dieser Richtung die Vorschriften des Judentums angenommen haben, hat das absondernde Ceremonialgesetz keinen Boden mehr, müssen wir uns vielmehr alle auf« gefordert fühlen,. „die trennenden Elemente immer mehr zu beseitigen, und die Einigung im Geiste und in der Liebe mit der Menschenwelt immer größer zu machen, alle die schroffen Beziehungen unseres ehemaligen politisch und volkstümlich gesonderten Bewußtseins entschieden aufzugeben, und uns mit den Völkern und Menschen volkstümlich und menschlich durch die innigsten volkstümlichen und reinmenschlichen Beziehungen zu verbinden. Von Absonderungsgesetzen heute noch und in religiösem Interesse zu reden und im Leben Notiz zu nehmen, würde heiße»: das Messiasreich in immer größere Fernen Hinausrücken. Solange die Grund-, anschauung getrennter Zeitepochen ihrem innersten Kern und Wesen nach dieselbe bleibt, werden die Formen nur zeitgemäß zu verändern sein, um ihre zweckmäßige und anregende Kraft zu äußern: ist aber die Gmndanschauung eine völlig andere geworden, so müssen sie gänzlich Wegfällen". „Haben die Töchterreligionen des Judentums auch noch einen Läuterungsprozeß durchzumachen, um den Monotheismus so rein und hehr wie wir zu bekennen und im Leben durch umfassende Bruderliebe anzuwenden, so müssen wir ihnen umsomehr durch unser Beispiel von der Wirksamkeit rein religiöser Vorstellung auf liebevolle und brüderliche Bereinigung behilflich sein," damit sie zur rechten Erkenntnis gelangen. Wenn sie, meint Holdheim *), zu uns noch nicht so stehen, wie sie eS sollten, so haben wir desto mehr die Pflicht, in 'dem Streben nach Verschmelzung mit ihnen vorauszugehen, damit wir sie zu dem gleichen Standpunkt echter Duldung heranziehen Wir müssen die Töchterreligionen, die noch nicht so große Fortschritte zum messianischen Ziele gemacht, durch das lebendige Beispiel über die trennenden Glaubensschranken hinwegzuheben suchen, und dazu vor allem die trennenden Ceremonien entfernen. Wir, die in dem Untergang unserer einstmaligen Volkstümlichkeit den Anfang des meffianischen Reiches, in der Zerstörnng des gesetzlichen Partikularismus den Grundstein des messianischen Universalismus erblicken, während die Genoffen der Töchterreligionen den gesetzlichen Partikularismus nur mit dem deS Glaubens vertauscht haben, dürfen unser eigener Werk nicht durch unterscheidende Formen zerstören. „In uns muß jeder Mensch seinen Bruder finden; wir dürfen der Kraft der Wahrheit trauen, daß sie sich den Sieg über Vorurteile schon selbst verschaffen werde, aber nicht durch unser eigenes engherziges Beispiel von einem Ueberrest des von Gott für immer vernichteten Partikularismus (des seit 18 Jahrhunderten seines Bodens beraubten) der Wahrheit und der Liebe den Sieg erschweren, und dem Aufbau des messianischen Reichehinderlich in den Weg treten." ') Das Ceremonialgesetz im Messiasreich. Schwerin i. M. 1845. ') Siehe die angeführte Schrift Seite 42, 69 ff.

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