Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 215 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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216 — museum in Petersburg erworben wurde. Der Schöpfer des Bildes ist Professor an der Kunstschule in Moskau und war in München ein Schüler Pilotys. — Die Beerdigung des in Homburg v. d. Höhe am 9. Juli verstorbenen Bildhauers Markus Antobolsbys, welche am 19. Juli in Petersburg ftattfand, war eine selten gesehene, großartige. Veranstaltung der Trauer. Schon auf den größeren Stationen, welche der die Leiche befördende Eisenbahnzug passierte, hatten sich viele Tausende eingefunden. In Wilna, waren die städtischen Behörden in corpore erschienen, und der Bürgermeister richtete eine warme Ansprache an die Witwe, in der er versicherte, daß die bewundernde Erinnerung an ihren Gatten, „den Stolz und die Zierde Wilnas" innerhalb der gesammten Bürgerschaft fortleben werde. Auch in Dwinsk, Gatschina rc. wiederholten sich diese Kundgebungen, welche in Rußland noch nie einem Juden dargebracht worden sind. Der Leichnam langte am 19. Juli Morgens acht Uhr an. Schon lange vorher strömten riesige Menschenmassen nach dem Warschauer Bahnhof. Nachdem die Witwe in Begleitung der Herren Baron Horace Günzburg, Dr. David Günzburg und M. Warschafsky eingetroffen war, wurde der schlicht-einfache Sarg, während Cantor und Chor den Psalm 91 vortrugen, aus dem Waggon gehoben, und viele Tausende folgten dem Leichenzuge, der sich nach der Synagoge bewegte. Letztere war bereits überfüllt, sodaß kaum für die Angehörigen und die Deputationen Platz geschafft werden konnte. Unter den erschienenen Notabilitäten befanden sich der Bicepräsident der Kaiserlichen Akademie der Künste, Graf I. I. Tolstoi, die Professoren Reppin» Kasarin, Mattae rc. Nachdem der Sarg vor der heiligen Lade aufgebahrt worden war, intonierte der Chor unter Leitung des Cantors Schneider den Psalm 16, und im Anschluß daran ergriff Herr Rabbiner Dr. Drabkin das Wort, um, anknüpfend an Ezechiel 27,31, der allgemeinen Trauer über den Heimgang des Künstlerheros Ausdruck zu geben und der Genugthuung, daß derselbe ein Sohn unseres Stammes gewesen. Nach abermaligem Chorgesang wurde die Leiche nach dem Nikolajewer Bahnhof, von da vermittelst Extrazuges nach der Station Obuchow und von letzterer nach dem eine halbe Meile entfernten Friedhof der Petersburger jüdischen Gemeinde getragen. Zwei fernere Extrazüge beförderten das Trauergefolge, das nach mehreren Tausend Personen, Richtjude» und Juden, zählte. Nachdem das Hazur tomim gesprochen und der Sarg in's Grab gesenkt war, widmeten Graf Tolstoi Namens der Akademie der Künste, sodann der Kritikr W. Sasstow, ferner die Herren I. O. Ginsburg, S. Mammontvw und H. Grodetzki dem Heimgegangenen ehrende Worte des Nachrufs, in denen sie dessen Bedeutung als Künstler feierten. — Vom Ghetto in Uew-Uorb entwirft ein Korrespondent der Pariser „Matin“ eine sehr interessante Schilderung, der Folgendes zu entnehmen ist: „New-Jork hat mehr russische Inden als irgend eine Stadt in Rußland. Seit 20 Jahren strömen sie in das freie Land» in dem sie sich ausbilden können. Sie sprechen einen deutschen, mit slavischen Wörtern unter-