Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 214 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 214 — Hinderung von Beschuldigungen unzulässiger Beeinflussungder koilfessionellen Erziehung der aus Mischehen hervorgegangenen Kinder und zum Schutze der staatlichen Schulaufsichtsbeamten vor Vorwürfen der Proselytenmacherei ordnen wir Folgendes an: Wollen bei konfessionell gemischten Ehen die Elter« ihr schulpflichtiges Kind in einer andern Religion unterrichten lassen, als es nach den gesetzlichen Bestimmungen zu geschehen hätte, so ist der dahingehende Wille der Eltern durch Angabe einer schriftlichen Erklärung von dem Landrat, dem Amtsgericht oder einem Notar erkennbar zu machen. Bei weiter Entfernung kann im Einzelfalle auf dem Lande der Bürgermeister vom Landrat ermächtigt werden, die Erklärung der Eltern entgegenzunehmen. Die Kreisschulinspektoren haben irun nach Kenntnisnahme der schriftlichen Erklärung der Eltern über die konfessionelle Erziehung ihres Kindes die Einschulung oder etwaige Umschulung desselben zu veranlassen, gez. Fink." — Der vom Generaloberst v. Los jüngst erwähnte tapfere alte Husar lebt in Kann, er heißt Moses Kirr und ist Viehhändler. Er ist im Jahre 1846 in Meckenheim geboren und trat 1868 bei der fünften Schwadron ein. Schon während des Marsches nach Frankreich war er als Ordonnanz zu General Strubberg der 30. Brigade kommandirt und der ersten Schwadron zugeteilt, er machte die Schlachten bei Gravelotte, St. Privat, die Einschließung und Kapitulation von Metz mit. Dann focht er bei Bertrancourt, wo ein Granatsplitter ihm den Stiefel vom Fuße riß, bei Amiens, bei Forcelles, bei Buchy, an der Hallue, bei Sapignies, bei Bapaume und bei Tertry-Pouillet sowie bei St. Quentin, stets als Ordonnanzreiter unter den gefährlichsten Umständen. In der Schlacht bei Bapaume wurde sein Pferd von einer Granate gestreift und niedergeworfen. Bier Pferde des nebenfahrenden Munitionswagens wurden getödtet; trotzdem hat Bier eine wichtige Meldung an General v. Göben und von diesem glücklich zurück befördert. Bon General Strubberg und Los öffentlich belobt, ist er im Herbst 1872 als Gefreiter abgegangen. Seitdem hat er sich als Handelsmann ernährt und erfreut sich unter seinen Mitbürgern allgemeiner Achtung und Beliebtheit. — Aus Essen a. d. Ruhr wird geschrieben: „Es interessiert Sie vielleicht, zu erfahren, daß man in - Essen laut Beschluß des Stadtverordneten- KollegiumS eine Straße nach dem Namen eines kürzlich hier verstorbenen Lehrers M. Blumenfeld „Dlumenfeldstraße" nennt. M. Blumenfeld war 50 Jahre lang Lehrer an der Essener jüdischen Elementarschule und Prediger der israelitischen Gemeinde. Er hat in Essen mehrere gemeinnützige interkonfessionelle Vereinigungen gegründet und die kommunalen Interessen sehr gefördert. Trotzdem er im Jahre 1848 in Folge seines politischen Auftretens 6 Monate seiner Freiheit opfern mußte, hat man ihm jetzt die Ehrung nicht versagt Es ist doch erfreulich, daß es noch städtische Vertretungen giebt, die den Menschen nach dem Charakter und nicht nach der Konfession beurteilen". — „Tolstoi im Kreise seiner Familie" betitelt sich ein Gemälde des russisch-jüdischen Malers Leonid Pasternak, das vom Alexander-