Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 212 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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212 dem Mädchenhandel wirksam entgegenzutreten. 2. Der Rabbinerverband unterstützt diese Bestrebungen zunächst dadurch, daß seine Mitglieder die freundschaftlichen Warnungen an allein reisende Frauen und Mädchen zahlreich unterschreiben. 3. Der Rabbinerverband beschließt, ein dringliches Schreiben zunächst an die galizischen und russischen Rabbiner zu richten, worin sie nochmals, wie in einem ähnlichen bereits früher ergangenen Aufruf, auf die große Gefahr aufmerksam gemacht und zur wirksamen Bekämpfung derselben aufgefordert werden. Eventuell sollen zunächst die galizischen Rabbiner in diesem Schreiben aufgefordert werden, zu diesem Zwecke eine Rabbinerkonferenz in Galizien einzuberufen, die dann unserseits beschickt werden soll. Es folgte ein lichtvolles Referat von Dr. Werner- München über „Die Bethätigung des Rabbiners an der Lösung sozialer Aufgaben in der Gegenwart." Dann sprach Eschelbacher-Berlin über das Thema: „Was ist für die religiös-sittliche Erziehung der schulentlassenen Jugend zu thun?" Am Schluß seiner Ausführungen schlug der Referent folgende These vor, die annvmmen wurde, jedoch wurde die Diskussion über dieselbe, mit 36 gegen 22 abgelehnt, weil man zionistische Debatten vermeiden wollte: Zur Erhaltung des religiösen Sinnes der Jugend und zur Förderung des jüdischen Wissens empfiehlt der Rabbinerverband die Gründung von Jünglings- und Mädchenvereinigungen, die nach dem Vorbild der bereits in Berlin, Frankfurt, Stuttgart, München und anderen Orten bestehenden Vereinen eine edle Geselligkeit und einen freundlichen Verkehr der Mitglieder untereinander pflegen, ihnen in der Fremde eine Heimat bieten, durch Unterricht und Vorlesungen über Gegenstände jüdischer Litteratur und Geschichte, ihr jüdisches Wissen mehren und die Liebe zur angestammten Religion stärken. Ueber die zu gründende Pensions- und Relictencassa berichteten Dr. Munk-Marburg und Vogelstein-Stettin. Der ganze Entwurf wurde schließlich einem Ausschuß überwiesen. Dieser soll das Ergebnis seiner Beratungen dem Zentralausschuß unterbreiten, der dann die Satzungen endgiltig festzusetzen hat. Prager-Kassel sprach sodann über die Seelsorge der Strafgefangenen. Auf Antrag von Guttmann-Breslau wurden der frühere Vorsitzende des Verbandes Dr. Ungerleider und sein ältestes Mitglied, der 88 jährige Salomon Brand-Schneidemühl, zu Ehrenmitgliedern ernannt. Es folgten einige Satzungsveränderungen und dann die Wahlen. Nach Erledigung der Tagesordnung faßte der Vorsitzende die Ergebnisse der zweitägigen Beratungen in einem Schlußwort zusammen. Er erinnerte daran, daß schon 1603 eine Rabbinerversammlung zu Frankfurt a. M. tagte und sich mit ähnlichen Fragen beschäftigte. Drei verschiedene Richtungen seien im Rabbinerverband vertreten, aber alle drei seien einig, wenn es gelte, den Stein vom Brunnen zu wälzen, damit dieser dem Volke Israel sein Wasser spende. Mit dem üblichen Dank an Vorstand und Geschäftsleitung wurde die Versammlung geschlossen. — Herr Dr. Julius Wlrötter in einem Aufsatze „Die moderne Theologie" in Deutsch-evangelische Blätter XXVII., Heft 7., Seite 455 schreibt: