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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. Seite 211

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Date
1902-09-01
Page
Seite 211 (sequence 19)
Language
German
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211 der Lebensgebiete nicht begabt ist, so hat in seiner Seele nur das Große und Ganze, nicht das Splittrige und Winzige, eine Stelle. Kein Werk hat in der letzten Zeit sd viel Aufsehen erregt wie Chamberlain's „Grundlagen des 19. Jahrhunderts". Und nichts ist merkwürdiger als der Ruhm und die Anerkennung, die dein Verfasser bis zu höchster Stelle geworden ist. Dabei ist sein Buch eine Dilettantenarbeit gröbster Sorte und eine regelrechte Verdrehung der Geschichte. Ganz wie ein Scholastiker deduziert Chamberlain aus einem unmöglichen Obersatze frisch und munter darauf los, und holt sich wie ein Tausendsassa und Magier die Argumente aus allen Winden herunter. Was er gegen die Kunstbegabung der Juden vorbringt, ist im Grunde viel zu lächerlich, als daß es einer ernsten Diskussion unterzogen werden dürfte. Chamberlain hat aber viele Anhänger, und nicht die schlechtesten, gefunden, die blindlings auf ihn schwören. Jammerschade, daß immer noch das Absurdeste geglaubt wird. Welche Stufe würde wohl Goethe nach seiner Einteilung den Juden gegeben haben, wenn er heute ihre Kunstfähigkeit beurteilte? Wonatsschair. Die Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Deutschland wurde am 7. Juli in Frankfurt a. M., durch Rabbiner Dr. Maybaum-Berlin eröffnet. Der Vorsitz wurde Dr. Horovitz-Frankfurt übertragen. Namens der Verwaltung der israelitischen Gemeinde richtete Rechtsanwalt Molke Worte der Begrüßung an die Versammlung. Der Geschäftsbericht wurde von Dr. Maybaum erstattet. Zunächst wird darin der Schächtfrage gedacht. Der Bericht erwähnt ferner den Konitzer Mord. Der Zentralausschuß hat beschlossen, vorläufig keine Erklärung gegen die Blutbeschuldigung zu erlassen; denn es sei entwürdigend, das Judentum gegen die Anklage des Kanibalismus in Schutz zu nehmen. Für alle Fälle ist aber eine solche Erklärung in Bereitschaft. Aus dem Kassenbericht ergiebt sich, daß der Verband gegenwärtig 153 Mitglieder zählt. Guttmann-Breslau spricht über „Die Bedeutung des Judentums in der Gegenwart". Das Judentum dauert fort, so schloß, der Redner seinen gediegenen Bortrag, weil es seine Weltmission noch nicht beendet hat. Aber es erhebt nicht den Anspruch, die alleinseligmachende Religion zu sein; wir haben nur den Wunsch» daß man uns ruhig und ungestört des Weges ziehen lasse- Die Versammlung beschließt, den Vortrag separat drucken zu lassen. Rosenack-Bremen referiert über „Die Bekämpfung des Mädchenhandels" und schlägt folgende Leitsätze vor, die von der Versammlung gutgrheißen wurden: 1. Der Rabbinerverband würdigt die Bestrebungen zur Bekämpfung des Mädchenhandels und spricht namentlich seine Befriedigung darüber aus, daß die Komitss in London und Hamburg mit Ernst und Energie Alles aufbieten, um

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