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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. Seite 210

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Date
1902-09-01
Page
Seite 210 (sequence 18)
Language
German
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210 er Kunst und bringt deren Schöpfungen hervor. Seine Geschichte hat ihm aber noch nicht lange die Freiheit gegönnt. Wo er aus dem tödlichen Drucke des Buchstabenglaubens und ver politischen Rechtlosigkeit herauswächst, mehren sich die Talente für Rezeption und Produktion der darstellenden Künste. Leider werden sie jedoch schon vielfach mißbraucht und gehen in falsche Bahnen. Ihre Himmelsgabe soll ihnen dienen zur Erfüllung sozialer und nationaler Wünsche. Wenn sie doch bei den saftigen Früchten blieben und nicht Leichen ausscharren wollten. Schade, daß Lilien nicht begreift, seine Kunst sei nicht national-jüdisch» sondern bisher eine feine Kultur-Kunst, die hoffentlich bald eine Lilien-Kunst werden wird. Wie verrenkt und häßlich sind er und die jung-jüdischen Künstler oft, wenn sie ihren ästhetischen Grillen nachgehen und über Verstand und Gemüt hinaus in Utopiens Wasserblasenland herumschwärmen I Und wie viel schöne Verheißungen geben sie, wenn sie den Versucher abhalten können! Unternähme man es, die Aufgabe der Juden innerhalb unserer Kunst zu bestimmen, so müßte man sie als die der Nüancierung, der Verfeinerung und Schattierung bezeichnen. Verquerte Kraftmeier wie Herr Houston-Chamberlain meinen allerdings, das sei Verfall und Entartung. Ich will nicht sagen, daß von ihnen die Aufgabe schon erfüllt sei. Wahre Kulturträger sind auch noch heute, mit dem Scheinwerfer selbst, sehr spärlich zu finden. Wo aber bei den Juden einer auftritt (die Reifsten fangen jetzt erst gerade an, ins rüstige Alter zu kommen), da könnte nur der Blinde und Böswillige seinen Wert verkennen. Von der jüdischen Fähigkeit für die übrigen Künste zu reden, halte ich für überflüssig. Hierüber ist schon zu allen Zeiten ausreichend geschrieben worden. Merkwürdig ist, daß in der Gegenwart die feinfühligsten Seelenkinder Juden sind und gegen die Verbauerung und Verödung unserer Litteratur Juden den heißesten Kampf führen. „Heimatkunst" ist ein laut hallendes Schlagwort geworden. Wie weit find aber die Heimatpoeten und -Künstler von der wirklichen Kunst ab! An solchem Fetzenspiel thut der Jude nicht mit. Die Poesie von Teterow und Neustadt überläßt er gern verständigen Nachtwächtern. Im Ernst, bei ihm hat der Lokalchauvinismus selten Platz und darum läßt er sich durch so unkünstlerische Motive seine gute Einsicht nicht trüben. Ein Jude hat, wenn auch etwas komisch und einseitig, den Traum vom Deutschen Nationaldrama jüngst geträumt (Dr. Julius Behrend: Schiller-Wagner). Juden sind die treuesten Anhänger und Leser der wahren deutschen Dichter. In den Städten deutscher Kunst sind sie häufige schönheitsdürstige Gäste. Ein dickblütiger, wohlgenährter Haufe von Bildungsphilistern stellt unserer Kunst Barrikaden in den Weg. Den Juden findet man selten in diesen Reihen. Ihn treibt eben alles zur Kunst hin und mit Freuden dient er ihr, selbst schaffend oder empfangend. Deswegen können blos Lügner und Böswillige dem Juden Kunstbegabung absprechen. Aber die große Kunst nur hat bei ihm eine bereitwillige Aufnahme. Weil er für die Kultur- und kunstfeindliche Zertrennung

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