Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 206 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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zu verwerfen hatten die Juden keine Ursache. Er war einer der besten und treuesten Söhne der Synagoge. Aber er war mehr als ein gewöhnlicher Lehrer der Menschen und Heiler von Krankheiten. Er drang in das eigentliche Herz der Religion ein und legte die Tiefen der menschlichen Seele bloß. Als ein wahrer Prophet hat Jesus in eindringlichster Weise jede Verpflichtung gegen irgend eine der pharisäischen Schulen abgewiesen und keine Autorität als die der lebendigen innern Stimme gelten lassen wollen, während er über das Gesetz das Urteil sprach, um das Leben auf eine höhere Stufe zu erheben. Er war ein kühner religiöser und sozialer Reformator, voll Eifers, das Judentum zu erneuern. Sein Name als eines Helfers der Armen, als des mitfühlenden Freundes der Gefallenen, als des Lieb' Habersder Menschen und des Erlösers der Frauen ist die Inspiration, das Symbol und die Losung für die größte That auf dem Felde der Güte und des Wohlthuns in der Welt geworden." Prof. Morris I a st r o w jr. in Philadelphia (s. Tr. and T. a. a. O.): „Vom geschichtlichen Standpunkt aus ist Jesus als ein direkter Nachfolger der hebr. Propheten anzusehen. Wie die Propheten legt er den Hauptnachdruck auf einen reinen Wandel und moralische Gedanken; aber er geht über die Propheten in der völligen Gleichgiltigkeit gegen theologische Spekulationen und religiöse Gebräuche hinaus. Die lang ersehnte Versöhnung zwischen Judentum und Christentum wird kommen, wenn einmal die Lehre Jesu das Grundgesetz des menschlichen Wandels geworden sein wird." Dr. Marcus Jastrow in Philadelphia (s. Tr. and T. a. a. O.): „Die nachdenklichen Juden aller Zeiten und ganz besonders die modern denkenden sehen in Jesu, wie er im Neuen Test, gezeichnet ist, den richtigen Erklärer eines Teils der sittlichen Grundsätze des Judentums und ganz besonders seiner milderen Seite: der Liebe und der Barmherzigkeit." vr. Henry Berowitz in Philadelphia*): „Für mich ist es eine der traurigsten und tragischsten Thatsachen in der Geschichte, daß Jesus, der freundlichste und edelste von allen Rabbinen, durch die Aufführung derer, die sich selbst seine Nachfolger nannten, seinem eigenen Volke verloren gehn sollte. Jesus ist die wahre Blüte des Judentums." James H. Hofmann in New-Aork: „Ich erkenne in Jesu die Vereinigung von Göttlichem und Menschlichem, Hohem und Niedrigem, den, der uns den Weg für die Doppelnatur des Menschen zeigt, durch göttliches Streben den Sieg über das irdische Leben zu gewinnen, das danach trachtet, ihn niederzuziehen, — den Sohn Gottes, der über das Kind der Erde triumphiert." Jakob Schiff in New-Aork: „Wir Juden ehren und verehren Jesum von Naz., wie wir unsere eigenen Propheten ehren, die ihm vorangingen." *) Bgl., auch für die beiden folgenden Äußerungen, Tr. and T. 1901, Sept.