Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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205 früheren christlichen Vorstellungen waren jüdische. Als man ihn nach seinen Grundsätzen fragte, antwortete er: „Höre Israel, unser Gott ist einer, und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst," ein deutliches Echo Hillels und seiner Partei. Wenn Jesus heute nach Baltimore käme, würde er zu einer orthodox-jüdischen Synagoge gehn". Infolge eines offenen Briefes, den W. W e i n st o ck in Sacramento, Cal. im Volksadvokaten erscheinen ließ (s. Friend of Isr., Mai 1901, S. 56), und in dem er die Unwissenheit der großen Masse der Juden über die Geschichte Jesu von Nazareth beklagte, dessen Charakter und weltgeschichtliches Werk doch unter den modernen Juden gerechter beurteilt werde, und in dem er für diese Unwissenheit das Schweigen über Jesum in den jüdischen Sabbathschulen verantwortlich machte, schlug er vor, daß die Kinder in diesen Schulen fortan ausdrücklich mit Jesu bekannt gemacht würden, und erhielt hierauf viele zustimmende Antworten bekannter Männer, so von Prof. R. Gottheil, Rabb. Dav. Philippson, Rabb. vr. Krauskopf, Rabb. I. Leonard Levy, Rabb. Dr. Felsenthal, Rabb. Stephan S. Wise (dieser betonte: die jüdischen Kinder sollten erfahren, daß Jesus ein Jude von den Juden war, ein ernster, hochgesinnter Lehrer des jüdischen Glaubens, und daß er, wenn er unter dem gegenwärtigen Geschlecht wohnte, einen Platz in der modernen Synagoge finden würde), Rabb. vr. Köhler: „Was mich betrifft, so verfehle ich nie Gewicht auf die geschichtliche Mission Jesu zu legen. Jesu war Jude und wünschte nichts, als Jude zu sein. Was er lehrte stammte aus jüdischen Quellen. Wir wollen unsere Kinder erfahren lassen, daß in Jesu von Nazareth das Judentum eins der schönsten Vorbilder echter Menschlichkeit, einen der größten Lehrer der Welt hervorgebracht hat." vr. Isidor Singer, der Herausgeber der großen neuen Jüdischen Eneyklopädie, New-Iork, schreibt (s. Truot and Toil, Aug. 1901, S. 124): „Ich betrachte Jesum von Naz. als einen Juden von Juden, einen, den alle Juden lieben lernen sollen. Seine Liebe hat der Welt einen unermeßlichen Dienst erwiesen, indem er Israels Gott zur Kenntnis von Tausenden und Millionen der Menschen brachte. Als ich noch ein Knabe war, würde mein Vater, der ein sehr frommer Mann war. wenn er den Namen Jesu v. N. von einer Kanzel unsrer Synagoge hätte aussprechen hören, den Ort verlassen haben, und der Rabbi wäre sogleich entlassen worden. Jetzt ist es nichts Seltsames, in unser» Synagogen Lobpredigten über diesen Jesus zu hören, und niemand denkt daran, dagegen Widerspruch zu erheben — wir sind vielmehr alle froh, Jesum als einen von unserm Volk in Anspruch nehmen zu können." Köhler, Kaufmann in New-Iork (s. Tr. and T. a. a. O.): „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein einer neuen Welt geworden. Jesum, den Lebendigen, den Lehrer und Ausüber der innigsten Liebe zu Gott und Menschen, das Muster der Frömmigkeit, Demut und Selbstaufopferung, dessen Fehler selbst aus überfließender Güte und Mitgefühl mit den Elenden entsprangen,