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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. Seite 204

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Date
1902-09-01
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
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204 aus Anlaß des Prozesses Dreyfus in einem kleinen Kreise der Gedanke, ob nicht der Prozeß gegen Jesum einer Revision von seiten der Juden unterworfen werden solle; aber schon die ersten Versuche nach dieser Richtung hin sind schnell von ihrer Umgebung unterdrückt worden. Immerhin ist das Auftreten des Gedankens ein Zeichen der Zeit. Der russisch - jüdische Gelehrte S. M. D u b n o w sagt in seiner Schrift: „Die jüdische Geschichte, ein geschichtsphilosophischer Versuch" (Berlin 1898, S. 40): „Da steigt aus bent tiefen Schoß des Judentums eine sittlich-religiöse Lehre hervor, die berufen war, das brennende religiöse Bedürfnis zu befriedigen und eine Neugestaltung der Heidenwelt herbeizuführen. Die ursprünglichen Schöpfer des Christentums standen gänzlich auf dem Boden des Judentums. In ihren Lehren spiegeln sich gleichzeitig die erhabenen sittlichen Grundsätze des Hauptes der Pharisäer wie der beschaulichen Bestrebungen der Essäer ab." Baron David Günzburg, der große Finanzmann in Petersburg (s. Trnsting and Toiling, August 1901): „Jesus von Nazareth suchte das gemeine Volk von Galiläa zu regenerieren, indem er ihnen die moralischen Lehren der jüdischen Akademie einflößte, und deshalb entkleidete er das religiöse Ideal seines wissenschaftlichen Gewandes." Nord-Amerika. Richter Noah (s. The Church of Scotland, März 1897, S. 76.): „Ich habe nie Jesum von Nazareth als einen Betrüger betrachtet. Ein Betrüger trachtet ganz allgemein nach zeitlicher Macht, sucht die schwachen reichen Gläubigen zu unterstützen und umgiebt sich mit einflußreichen Nachfolgern, über die er verfügen kann. Jesus war frei von Fanatismus, sein Glauben war ein ruhiger, stiller, zurückgezogener. Er mischte sich unter die Armen, suchte die Sünder auf, vermied die Reichen und tadelte die Ruhmsüchtigen. In der Ruhe des Abends suchte er in abgelegenen Gärten des Oelbergs seinen Aufenthalt oder wanderte nachdenklich an der Küste des Galiläischen Meeres dahin. Er glaubte fest an seine Mission, er warb um niemand, schmeichelte keinem. In seinen politischen Anklagen war er sehr bestimmt und streng, in seiner Religion ruhig und still — das sind nicht die Kennzeichen eines Betrügers. Wie immer man über seine Mission urteilen mag: 150 Millionen glauben an seine Gottheit, und überall um uns erblicken wir reiche Beweise von Glück, Redlichkeit, milder Herrschaft und freundlicher Gesinnung, die seiner Religion entspringen, — was für ein Recht haben wir darum, Jesus einen Betrüger zu nennen? Diese Religion, welche darauf berechnet ist, Menschen gut und glücklich zu machen, kann nicht auf Betrug beruhen." Rabbiner vr. Rosenau erklärte auf dem Philadelphia-Kongreß jüdischer Frauen in Baltimore (s. Friend of Jsrael April 1899, S. 60): „Jesus war nicht ein Christ im modernen Sinne des Wortes, sondern war ein Jude; denn die

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