Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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sinnig verschließen, die Kinder spielen und nur die Schatten unserer Vergangenheit anschauen! Wenn wir, die wir Kinder des Hauses sind, zu dem die Propheten gehören, und deren Aufgabe es ist den Frieden den Nahen und Fernen zu verkündigen, den Samen der Mißstimmung und des Grolls unter die Unser» aus' streuen, worin sind wir dann besser als diejenigen, welche unsere Vorfahren für ein Unrecht, das sie nicht gethan hatten, verfolgten? Sollen wir ihn, dessen Millionen nuferer Mitmenschen heute gedenken und durch den» nach der einstimmigen Meinung ihrer besten und tiefsten Gelehrten in alter und neuer Zeit, Israels J göttliche Wahrheiten zu den Nationen gebracht wurden, für die Verbrechen verantwortlich machen, die in seinem Namen begangen worden sind? Nein, wir klagen nicht, sondern wir freuen uns, daß Jesus geboren ist und daß durch ihn trotz aller Verfolgungen, trotz der mannigfaltigen Vorurteile, welche die menschlichen Herzen verfinstern» diese Welt im ganzen und großen unendlich viel besser und lichter geworden ist, als sie es ohne ihn geworden sein würde. Wir wollen das furchtbare Bild der Vergangenheit nicht wieder herauf beschwören; wir danken Gott, daß wir in der Gegenwart mit ihrer Freiheit und edlen Menschlichkeit leben." Isidore Harris in London (s. Tnisting and Toiling, Sept. 1901): I „Es scheint mir, daß die wahre Ansicht über Jesum die ist, welche ihn als einen | jüdischen Reformator von besonders kühner Art betrachtet- In seinen Tagen war J das Judentum mit Formenwesen überladen. Die Masse der rabbinischen Gesetze» "| die sich im Laufe der Jahrhunderte um das Gesetz Israels gelagert hatten, drohte z seinen Geist zu ersticken. Jesus erhob hiergegen mit aller Macht eines Ent- J husiasten Widerspruch." j Schweden. - f Rabbiner Prof. G. Klein in Stockholm (Bidrag till Israels Religions- | historia, Stockholm 1898, 65) : „Als der rechte Zeitpunkt gekommen war, als die | Wege gebahnt waren und die Geister bereitet, als die Not aufs höchste gestiegen und die Erwartung am brennendsten geworden war, da trat aus jenem stillen j Kreise [ber Essäers der größte vom Weibe Geborene hervor, Jesus von Nazareth» i der Stifter des Christentums, des Christentums der Liebe, nicht der Bekenntnisse.; Für alle Zeiten und alle Menschen muß er ein Vorbild bleiben, dem man Nachfolgen soll. Ja, wenn einmal das innig ersehnte Reich kommt und alle religiösen Hüllen und Formen verschwunden und vergessen sind, dann wird eins immer noch ) gelten bis zum Ende der Tage, ein Bekenntnis, um welche sich alle Menschen im ' Verein als Brüder sammeln, ich meine jenes ewige Evangelium, das tröstend und befreiend durch die Welt klingt: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm." Rußland. - Auch unter der großen Masse der Juden des Zarenreiches hat der Geist der Neuzeit eine mächtige Gärung hervorgebracht. Im Süden erwachte besonders