Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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200 schild, W. Bonn. Ed. Cohen, CH. L. Hallgarten, G. Speyer, Th. Stern und einen ungenannten im Ausland lebenden Frankfurter) um eine namhafte Summe erworben und der Stadtbibliothek zum Geschenk gemacht. Nachdem dann noch 1899 durch Herrn Rabbiner vr. Horovitz mit Unterstützung mehrerer Gönner unserer Anstalt eine größere Sammlung interessanter Fragmente aus der Genisa der Esra- und der Karäersynagoge bei Cairo und 1900 durch ihren unermüdlichen Förderer Herrn Charles L. Hallgarten eine solche synagogaler Musikliteratur als Geschenk überwiesen worden war, erhielten die Hebraica und Judaica im vergangenen Jahre den letzten bedeutungsvollen Zuwachs durch die Wilhelm Karl v. Rothschild'sche Stiftung seitens der Freifrau Mathilde v. Rothschild, welche der Stadtbibliothek erlaubte, aus der Bibliothek ihres am 25. Januar 1901 verstorbenen Gemahls alle zur Vervollständigung ihrer Bestände geeigneten Werke auszusuchen. Das Ergebnis dieser Auswahl waren 23, teilweise auf Pergament gedruckte Inkunabeln und eine umfangreiche Kollektion von Werken aus allen Fächern der Hebraistik: Bibelausgaben, Ritualien, jüdisch-deutsche Schriften, Anonymi und Autoren, darunter viele Cimelien, alles aber in tadellosen, ja teilweise in selten schönen Exemplaren. -/ Weujüdische Stimmen über Aesum Hhristum. Von Lic. Ioh. de le Roi, Pastor emer. in Schweidnitz. (Schluß.) Großbritannien. C. G. Montefiore (s. Jewish Quarterly Review VIII [1896], S. 213 f) in einer Ansprache an die Theologische Gesellschaft der Universität Glasgow: „Die rechte Würdigung von Sorge und Leid und ihre Stellung und Bedeutung im menschlichen Leben verdankt man mehr dem Christentum als dem. Judentum. Der philosophische Idealismus Platos, der lehrte, daß es besser sei Unrecht leiden als zufügen, daß das Elend der Gottlosigkeit größer als der Jammer des Schmerzes sei und die höchste Freude in einem Leben des Leidens erfahren werden könne, das man mit Bewußtsein für die Sache des Guten und der Wahrheit auf sich nimmt, wurde jetzt als religiöser Glauben von Jesus und seinen Jüngern gegründet." Montefiore fügt dann noch hinzu, daß der Gedanke an die Selbstaufopferung ein ursprünglich und eigentümlich christlicher sei: „Segnet, die euch fluchen; thut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen," und das Gebet des Sterbenden: „Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun" zeige uns das Ideal einer Lebensführung, das, obwohl von keinem vielleicht sichtbarer vergessen als von den bloßen Namensnachfolgern ihres Meisters, sich tief in das menschliche Bewußtsein gegraben hat und für das Gemüt des civilisierten