Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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199 Sonsistorialrat Prof. Dr. Ebrard über die Hebraica- Md Judaica- Sammlung dec Frankfurter Stadtbibttothek. Die Hebraica- und Judaica- Sammlung der Frankfurter Stadtbibliothek, die bekanntlich zu den umfangreichsten und wertvollsten ihrer Art zählt, hat sich stufenweise zu ihrer heutigen Bedeutung entwickelt. Den ersten. Grund zu derselben legte der berühmte 1704 verstorbene Sprachforscher Hiob Ludolf, indem er der Stadtbibliothek den größten Teil seiner orientalistischen, zahlreiche Bibelausgaben und grammatische Schriften enthaltenden Büchersammlung vermachte. Nach mehr als hundert Jahren, im Jahre 1822, kamen dann durch den Anfall der Klosterbibliotheken auch hebräische Bücher anderer Gattung zur Stadtbibliothek, wie Ausgaben der Mischna, des Talmud und selbst Gebetsammlungen, welche wohl durch Konfiskationen ihren Weg in jene gefunden haben mochten. Weiteren beträchtlichen Zuwachs brachten sodann zwei größere Schenkungen: die eine erhielt die Stadtbibliothek aus dem Nachlasse des 1860 verstorbenen Lehrers am Philanthropin vr. Isaak Markus Jost, die >andere stiftete im Jahre 1876 Justizrat vr. S. Fuld zum Gedächtnis seiner Eltern^Aron Moses Fuld (f 1847) und dessen 1862 verstorbener Gattin Schönchen Fuld geb, Schuster. War die Jost'sche Schenkung durch ihren Reichtum an Schriften zur jüdischen Literatur und Geschichte, insbesondere zur Geschichte der Juden- Emanzipation und zur Reform des Judentums, die Fuld'sche aber durch ihre Bestände in Werken der rabbinischen und namentlich der Talmud- Literatur hervorragend, so wurde die Sammlung der Hebraica und Judaica im Jahre 1892 durch den Ankauf der Bibliothek des 1891 verstorbenen gelehrten Rabbiners vr. Nehemias Brüll, wozu die israelitische Gemeinde, wie auch, auf Anregung des Herrn Heinrich Emden, eine Anzahl Privater erhebliche Beiträge beisteuerten, weiter abgerundet, ja mit einem Schlage zu einer Sammlung höheren Stiles erhoben. Denn die Brükl'sche Bibliothek enthielt nicht nur eine große Anzahl bemerkenswerter jüdischdeutscher Schriften» sondern fie erstreckte sich überhaupt auf alle Wissensgebiete der hebräischen und jüdischen Literatur. Nun erst war die Sammlung eines systematischen Ausbaues würdig und sie erhielt diesen, teils durch regelmäßige umfassende Anschaffungen, sowohl von Novitäten, wie von älteren Drucken, aus den Mitteln des laufenden Bibliotheks- Etats, teils durch den im Jahre 1899 erfolgten, höchst erfreulichen Hinzutritt der Bibliothek des bekannten Gelehrten vr. A. Berliner, Dozenten am Rabbinerseminax in Berlin. Die wissenschaftliche Bedeutung dieser letzteren Büchersammlung bestand, abgesehen von ihren sonstigen vielen Seltenheiten, vornehmlich in ihrer einzigartigen Kollektion hebräischer Gebetbücher aller Zeiten, aller Länder und Städte mit ihren verschiedenen Riten. Die Bibliothek Berliner wurde auf Anregung des Herrn Rabbiners vr. Horovitz durch opferbereite Mitbürger (Herrn und Frau Baron W. C. v. Roth»