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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1902) · p. Seite 191

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1902)
Date
1902-07-01
Page
Seite 191 (sequence 47)
Language
German
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191 lichen Quellen haben. Von allen diesen Eigenschaften ist bei Herrn Halevy aber keine Spur anzutreffen, und es ist gerade ein Hohn zu nennen, wenn er, bei dem die Citate, wie nachgewiesen wird, bis auf verschwindende Ausnabmen. mit den Originalquellen nicht übereinstimmen, und die bei ihm oft bis zur Unkenntlichkeit entstellt sind, es sich herausnimmt, schon in der Einleitung zu verkünden, daß der Verfasser nicht wie andere Forscher die Quellen nach seinem Wunsche entstellt habe, und sich erkühnt, seinen Vorgängern vorzuwerfen, sie hätten die Quellen verdreht und gefälscht. Man vermißt in dem Werke Halevys die nötige Achtung vor der Geistesarbeit unserer modernen Gelehrten, und werden — man sollte es nicht für möglich halten — Rappaport und Frankel in rücksichtsloser Weise angegriffen, und Graetz und der im hohen Greisenalter stehende I. H. Weiß wie Schulbuben abgekanzelt. Halevy ist die pilpulistische Methode noch nicht losgeworden. Daß Halevy durch den ihm anhaftenden Dogmatismus in Bezug auf den Begriff der mündlichen Lehre, der aber auch oft durchlöchert und nicht waschecht ist, zu ungeheuerlichen Anschauungen verleitet wird, die vor dem Forum der Wissenschaft nie Geltung erlangen, ist seine Sache, aber daß er in fortwähreuder Polemik gegen Alte und Moderne ausfällig wird, ohne daß er nach seinen Leistungen hierzu berechtigt wäre, ist ein Beweis, daß Zanksucht dieses Buch geboren und blinder Haß gegen alles Moderne im Judentum es großgezogen haben. Und daher auch der hole Jubel in den orthodoxen Kreisen, in denen noch immer von einer objektiven wissenschaftlichen Erkenntnis keine Spur anzutreffen ist, und die sich durch das Halevy gespendete Lob ein Armutszeugnis schlimmster Art ausstellten, weil sie zu den Forschungen der modernen jüdischen Geschichtsforscher nicht längst Stellung genommen, was entweder auf Mangel an nötigem Wissen, oder was noch ärger, auf Mangel an religiösem Ernst zurückgeführt werden muß. Abgesehen aber von allem, ist Halevys Werk auch noch in einem barbarischen hebräischen Stil abgefaßt, der eine neue Aera der Stilkorruption einleitet, die nicht weniger bedauerlich ist. Daß Rabina's geschichtliche Bedeutung darin gipfelt, daß er die große That vollbracht, die Ueberlieferung zu einer Zeit zu retten, als die alten Gelehrten ausstarben, und die Jugend im Gesetz zu unterweisen durch Staatsgewalt verboten wurde, ist nach dem Stande der heutigen Wissenschaft außer Frage und läßt sich auch durch, de» Hinblick auf die Thatsachenicht ändern, daß er das unzeitgemäße Verbot, Halachisches niederzuschreiben, aufgehoben. Alles andere, was nicht diesem Gedankengang folgt, ist aus der Luft gegriffen und wenn es auch der Pilpulist Halevy mit seinem Namen deckt, der seine vageil Hypothesen auf durchweg unrichtige Texte aufbaut. Durch Halevys Werk, das gar bald der verdienten Vergessenheit anheimfallen wird, und das in Zukunft Jeder gern von seinen Rockschössen abschütteln dürfte, sollte der unhaltbare Standpunkt der Neuorthodoxie litterarischen Ausdruck und eine offenbar wissenschaftliche Fassung erhalten, die aber für die Dauer sich nur als eine morsche Grundlage erweisen wird, auf der man nicht weiter bauen kann. Nie

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