Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 182 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969893-2969901--6674-2976022- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
182 Ausländern und zn den jüdischen Kommilitonen zum Ausdruck Aber die Gerechtigkeit gebietet zu sagen, daß die entgegengesetzten Anschauungen ebenso kräftig als wirksam vertreten wurden. Ein Novum bildete nur die Rede eines jüdischen Studenten, der einfach erklärte: „Die jüdischen Kommilitonen geben hier die Erklärung ab, daß sie mit Freuden bereit sind, ihr Judentum zu Gunsten des deutsch-nationalen Gedankens und im Vertrauen auf das verständnisvolle Entgegenkommen der arischen Kommilitonen aufzugeben." Es scheint aber nicht, daß der junge Herr das Recht hatte, im Namen der „jüdischen Kommilitonen" zu sprechen, da kurz darauf von einem solchen das Gegenteil erklärt wurde. Das Beste an der ganzen Debatte waren die Schlußworte des Referenten, eines protestantischen Theologen, der sagte, die Studenten sollten sich hüten, an die Lösung von Fragen heranzutreten, die. weit über die Grenzen des Studentenlebens hinausragten und vielmehr Fragen zu lösen unternehmen, die enger mit der Studentenschaft verknüpft seien. Hierbei sollte man Rücksicht nehmen sowohl als Majorität wie als Minorität. Gegen Ausschreitungen jüdischer Kommilitionen sollte man ebenso einschreiten wie gegen solche arischer Kommilitonen, namentlich auch dann, wenn letztere sich gegen jüdische Kommilitonen richteten. Diesen Anschauungen trat auch di? überwiegende Mehrheit der Versammlung durch die Annahme folgender Resolution bei: Eine Einheit der deutschen Studentenschaft besteht insofern, als durch den Erwerb des akademischen Bürgerrechts jedem Studenten gleiche Rechte gegeben und gleiche Pflichten auferlegt werden, die unabhängig sind von seiner Stellung zu außerakademischen, z. B. politischen, gesellschaftlichen oder konfessionellen Fragen. Das Ziel der Finkenschaft, „die deutsche Studentenschaft zu einigen", bedeutet lediglich das Streben, dem Grundsätze der Gleichberechtigung aller cives academici Anerkennung zu verschaffen." — Das Pflegeamt des Almosenkastens der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. verteilte im Jahre 1901 Mk. 78,258 gegen Mk. 75,487 im Vorjahre. Aus dem von Herrn Georg Speyer gegründeten Spezialfoud gelangten Mk. 5200 zur Verausgabung, sodaß Ende 1901 nur ein Saldo von Mk. 500 verblieb, der jedoch durch eine weitere Zuwendung des verstorbenen Herrn Speyer um Mk. 5000 erhöht wurde. An größeren Gaben sind zu erwähnen Mk. 10,000 von den Hinterbliebenen des Freiherrn Wilhelm von Rothschild Mk. 2000 beim Hinscheiden von Frau Dreyfus-Jeidels, Mk. 2000 Legat des Herrn Kommerzienrats H. Rothschild. — Der „Kindergarten für Israeliten" in Frankfurt a. M. wurde im abgelaufenen Jahre von durchschnittlich 60 Kindern frequentiert. Die Einnahmen betrugen 9788,68 Mk., die Ausgaben 8917,39 Mk. Die Verwaltung hat ein Haus mit Garten käuflich erworben, das durch einen Umbau seinen Zwecken angepaßt werden soll. — Die Israelitische Waisenanstalt in Frankfurt a. M. hat in ihrer Knabenabteilung 32 Zöglinge, welche die Schule besuchen. Die zu Ostern als Lehrlinge in Geschäfte getretenen 4 Knaben wurden auf Kosten der Moses und Clara Schiff- Stiftung im Hause behalten. Dieser Stiftung wurden durch Jakob I. Schiff in