Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 180 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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180 die ehrlich sind, mit derselben Liebe und Achtung umfaßt. Ich nenne die Israeliten aber nicht allein als Christ — ich nenne sie auch als Soldat, denn ich finde nun einmal in dem christlichen und in dem Soldatenkatechismus keine Widersprüche. Von diesem Standpunkte und in diesem Sinne habe ich vor 14 Tagen in diesen Räumen zu meinen alten Husaren gesprochen. Protestanten, Katholiken und Israeliten — denn auch die Letztgenannten hatten sich im stolzen Bewußtsein ihrer Regimentsangehörigkeit zu meiner Freude hier zusammengefunden. Ja wahrhaftig, zu meiner Freude!- Denn unter ihnen befindet sich einer der tapfersten Husaren, ein Bonner Kind. Auch er lebt unter dem Zeichen des Kreuzes, denn er ist für seine Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuze geschmückt und ich drücke ihm bei jeder Begegnung die Hand, weil ich ihn hochachte." — Wie uns der Direktor der Stadtbibliothek in Frankfurt a. M., Professor Dr. Ebrard, mitteilt, findet in diesen Tagen ein Wechsel in der permanenten Ausstellung derselben statt, indem an die Stelle der seitherigen „Ausstellung deutscher Buchillustrationen bis Albrecht Dürer" eine „Ausstellung hebräischer Druckwerke" tritt. Dieselbe wird eine große Anzahl wertvoller, nach Ländern und Städten geordneter hebräischer Drucke, sowie eine Auswahl von Handschriften und anderen Cimelien aus der Hebraica- und Judaica- Abteilung der Stadtbibliothek zur Anschauung bringen und aus Anlaß der Anfang nächster Woche hier tagenden Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Deutschland eröffnet werden. Bon Dienstag 8. Juli an kann die Ausstellung, zu welcher ein mit Autotypien und Zinkätzungen der chemigraphischen Anstalt F. Guhl & Co. ausgestatteter Katalog in der Druckerei von Gebrüder Knauer hergestellt wurde, wöchentlich von 10 bis 1 Uhr, Sonntags von 11 bis 1 Uhr besichtigt werden. — In Köln starb der Erzbischof Dr. Hubertus Simar. Unvergessen bleiben seine Äußerungen gegenüber der Deputation, welche im erzbischöflichen Palais von ihm empfangen wurde: „Ich werde wie bisher den Israeliten die wohlwollendste Gesinnung entgegenbringen und gegebenen Falles auch praktisch bethätigen; für mich ist die Stellung maßgebend, die der Apostel Paulus Israel gegenüber eingenommen hat. Und »venu auch einstweilen bezüglich des religiösen Glaubens eine Scheidewand uns von Ihnen trennt, so halten wir doch an der einen Hoffnung fest, daß die Zeit einst kommt, wo es einen Hirten und eine Herde geben wird." — Generaldirektor Kalli« von der Hamburg-Amerikanischen Packet-Gesellschaft hat nicht nur das ihm vou Herrn Morgan für seinen Übertritt in die geschäftliche Leitung des amerikanisch-englischen Trustes angebotene- Gehalt von einer Million Dollar ausgeschlagen, er hat es auch rundweg abgelehnt, überhaupt für irgend eine Summe diesen Schritt zu thun. Hierzu bemerkt die „Germania", ein Hauptorgan der Zentrumspartei: „Diese Mitteilungen stammen offensichtlich von einer unterrichteten vielleicht auch interessierten Seite. Aber wenn sie gewißermaßen in einem Lobe für den Generaldirektor Ballin gipfeln, so haben wir deßhalb doch keinen Anlaß, dieses Lob durch einen Tadel abzuschwächen. Herr Ballin ist in den letzten Jahren