Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 168 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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heftig gezankt, und diese erklärte ihr dabei, sie sei am nächsten Morgen des Dienstes entlassen und werde als verdienten Lohn nur vierundzwanzig Kreuzer und ein Paar alte Strümpfe, d. h. nicht einmal den nach Maßgabe der Zeit verdienten Betrag ihres Jahreslohnes erhalten. Das Mädchen geriet, nachdem es von Seiten der alten Frau so Vieles hatte erdulden müssen, hierüber in eine solche Erbitterung, daß es, nach seinem eigenen Geständnis, sofort beschloß, dieselbe, wenn sie im Schlafe liege, umzubringen. Frommet stand zu diesem Zweck früh um drei Uhr aus und schlich sich zum Bett der Schönle; hier empfand sie jedoch Reue und kehrte auf ihr Lager zurück. Eine Stunde später verließ ihre Dienstherrin gewohnter Weise das Bett, um zu beten und sich dann wieder niederzulegen. Nachdem dieselbe gebetet hatte, wandte sie sich zankend an Frommet mit dem Vorwurfe, in Folge ihrer nachlässigen Bedienung rieche es in der Stube sehr übel, und in ihrer Wut gab sie dem auf der Erde liegenden Mädchen einen Fußtritt. Dies entzündete den kaum erst niedergedrückten Zorn der Frommet von neuen;. Sie faßte also den früheren Entschluß wieder, wartete eine halbe Stunde lang, bis sie merkte, daß Schönle wieder «ingeschlafen sei, zog dann ein unter dem Ofen liegendes Beil hervor und versetzte der Schlafenden mehrere Schläge auf den Kopf, welche derselben augenblicklich den Tod brachten. Nachher zog Frommet aus der Schabbes-Lampe einen der noch brennenden Baumwolle - Wiechen heraus und hielt ihn über die Schönle, um zu sehen, ob dieselbe auch wirklich tot sei. Als sie sich hierüber vergewissert hatte, verließ sie sogleich das Haus, um schleunig nach Dreieicher- Hain zu entfliehen. Sie fand das betreffende Stadtthor noch verschlossen und wartete nun iy der Nähe, bis dasselbe geöffnet war. Dann begab sie sich zu ihrer Mutter, fest überzeugt, daß sie in Dreieicher-Hain vor allen Nachstellungen sicher sei. Im Hause der begangenen Mordthat war schon zwei Stunden nachher das Geschehene entdeckt worden, weil der aufs Bett herabgefallene brennende Wiechen dieses ins Glimmen gebracht hatte und in Folge davon ein Rauch entstand, welcher, in das Innere des Hauses dringend, alle Einwohner aus den Betten trieb. Als man die Schönle ermordet gefunden hatten, lag es nahe, die verschwundene Frommet für die Thäterin zu halten. Die städtische Behörde schickte sogleich Steckbriefe in die Nachbarorte, und ein Dreieicher - Jude, welcher noch am Morgen aus Frankfurt heimkehrte, erzählte zu Hause, daß in der Judengasse eine Frau ermordet worden sei und daß man Frommet für die Thäterin halte. Als letztere dies hörte lief sie vor Schrecken nach dem mehrere Stunden entfernten Orte Gerau, wo ein Verwandter ihres Vaters wohnte. Hier langte jedoch alsbald der Steckbrief an, und Frommet wurde gleich am nächsten Tage verhaftet und dann nach Frankfurt ausgeliefert. Dort leugnete sie anfangs ihr Verbrechen, gestand jedoch bald nachher Alles ein. Nach der in Frankfurt bestandenen Gerichtsverfassung hatte der Rat in peinlichen Sachen das Urteil zu sprechen, und es geschah dies, nachdem zuvor mehrere Rechtsgelehrte, welche unter dem Titel Syndiker als Rechts beistände des