Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 165 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969893-2969901--6657-2976005- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
165 zu wissen. Perles schließt seine interessante Schrift, der wir unter Juden und Christen weite Verbreitung wünschen, mit den Worten Goethes: Das israelitische Volk ist das beharrlichste Volk der Erde, es ist, es war es wird sein um den Namen Jehova durch alle Zeiten zu verherrlichen. Die Audenmagd Irommet. Zwei Stätten sind es, von denen ein hier zu berichtendes trauriges Ereignis seinen Ausgang genominen hat. Die eine ist ein Haus der Judengasse Frankfurt a. M-, die andere das drei Stunden von dort entfernte Städtchen Dreieicherhain. Jene Gasse, 250 Jahre lang nur zwölf bis sechszehn Fuß, dann aber (von 1711 an) allenthalben auch nicht mehr als zwanzig Fuß breit, bestand aus zwei Reihen von dicht an einander gebauten, drei Stockwerke und einen mehrstöckigen Giebel enthaltenden Häusern, welche insgesammt sehr schmal waren und in ihren kleinen Höfen ein oder mehrere Nebengebäude von zum Teil noch größerer Höhe hatten. Die eine Reihe ist wegen der Baufälligkeit ihrer meisten Häuser schon früher üiedergerissen worden, und hatte bald auch die andere Reihe das nämliche Schicksal. Düster war die Gasse, fast dunkel aber die Treppen und Vorplätze aller Häuser. Dasjenige Haus, auf welches der nachfolgende Bericht sich bezieht, wurde schon früher wegen Baufälligkeit abgebrochen, und sah man nur noch den zwischen den beiden Nachbarhäusern befindlichen leeren Raum, welchen es eingegenommen hatte. Es war mit Nr. 143 bezeichnet und stand um fünf Häuser östlich von dem Stammhause der Familie Rothschild entfernt. Seine Breite hatte nicht mehr als zwanzig Fuß betragen. Dessenungeachtet bewohnten 1782, als in dem Jahre, in welches das zu erzählende Ereignis fällt, nicht weniger als zwölf Menschen die sechs Stockwerke dieses Hauses, und zwar nicht etwa als eine einzige Familie, sondern in acht Haushaltungen abgesondert. Die Bewohner waren: Drei jüdische Studenten, deren jeder eine Stube für sich hatte, vier andere Männer in je einer Stube, ein verheirateter Mann mit seiner Gattin und einer Dienstmagd, sowie die hochbejahrte Schönte, Witwe des Juden Wolf Maas, mit ihrem Dienstmädchen. Die Schönte Maas war bettelarm, so daß sie von den Almosen ihrer Verwandten und anderer frommer Juden lebte und am Ende ihrer Tage sogar ihre Todtenkleider im Pfandhause versetzt hatte. Ein kleines Einkommen hatte sie sich noch dadurch verschafft, daß sie einem nicht im Hause wohnenden Juden-Studenten aus Polen gegen einen geringen Miethzins das Recht gewährt hatte, in ihrer Stube jeden Tag von Morgens bis Abends acht Uhr seinen Schülern Unterricht zu erteilen. Und doch war jene Stube nur sechs Fuß breit und vierzehn Fuß lang. Die Stube, welche eine Stiege hoch nach' dem Hofe zu gelegen und