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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1902) · p. Seite 163

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1902)
Date
1902-07-01
Page
Seite 163 (sequence 19)
Language
German
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,-r^ ~ .'- — fr ^1 - 16g - inmitten seiner eigenen Kirche, wie man aus der in der Pastorenkonferenz in Berlin angenommenen Erklärung ersehen kann, die besagt, d.,ß obengenanntes Werk Harnacks ein Zurücksinken in den oberflächlichen Standpunkt eines überwundenen Rationalismus bedeute und weder dem historischen Verständnis, noch dem wahren Evangelium und dem menschlichen Bedürfnis förderlich sei. Nebel angebracht meint Herr Dr. Perles, sei das Versteckspiel, das ja auch sonst die Signatur des modernen Judentums sei und schon so viel Schaden angerichtet habe und hebt in Bezug hierauf besonders Prof. Hermann Cohen's Ausführung hervor, der es als eine Hauptaufgabe des Religionsunterrichtes in unserer Zeit bezeichnet, auf die Unterschiede zwischen Judentum und Christentum hinzuweisen. Während jedes gehässige Wort aus der Schule zu bannen sei, wäre es geradezu thöricht die prinzipiellen Gegensätze zwischen Judentum und Christentum zu vertauschen oder gar zu verschweigen. Es ist geradezu ein Verhängnis zu nennen, das aus unglaublicher Verblendung stammt, wenn es Juden giebt, die sich scheuen einen genaueren Einblick in das Wesen der christlichen Religion zu nehmen, fürchtend, ihr eigener Glaube könnte darunter leiden, während er dabei nur gewinnen kann, da das Judentum den Vergleich mit seiner Tochterreligion nicht zu scheuen braucht. Was nun gar Harnacks Christentum anbelangt, so ist es grundverschieden von dem offiziellen Christentum, das die verschiedenen Kirchen lehren und bekennen und das allein nur staatlich approbiert ist. Harnack hat aus seinem Christentum die Christologie, die ganze Lehre von der Dreieinigkeit, die Erbsünde, die leibliche Auferstehung Christi, wie die sogenannten Heileswahrheiten, die man glauben muß, um seeljg zu werden, gestrichen und versteht man darum auch in der evangelischen Geistlichkeit, in der die Freiheit der Forschung eine leere Phrase geworden, etwas ganz anderes unter Christentum, wie Harnack, der nur die Person Christi als sittlich religiöses Ideal anerkennt. Dieser freie Standpunkt Harnacks ist fiir's Judentum darum von so großer Wichtigkeit, weil er gerade diejenigen Elemente aus dem Christentum ausscheidet, die auch den Juden als durchaus unannehmbar erscheinen, und wenn man nach Harnacks Vorgehen die vernunftwidrigen Dogmen aus dem Christentume streicht, bleibt eigentlich nicht viel mehr übrig als das Judentum. PerleS glaubt, daß Harnack mit seine» Anschauungen wie sie in seinem Wesen des Christentums zum Ausdruck kommen, nicht nur bei geistig besonders hochstehenden und frei denkenden Juden, sondern auch bei den meisten offiziellen Vertretern des traditionellen Judentums bei den Rabbinern aller Länder Anerkennung finde, was wir allerdings nicht in der Bestimmtheit wie Perles das sich denkt, behaupten möchten. Die feigen Täuflinge in unserer Zeit können sich nur schlecht auf Harnack stützen und berufen, denn die Taufe ist vorerst kein Bekenntnis zu seiner Lehre, sondern im Gegenteile zu dem von ihm mit aller Schärfe bekämpften und zurückgewiesenen offiziellen Christentum. So sehr sich aber Harnack vom offiziellen Christentume getrennt hat» so giebt er

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