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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1902) · p. Seite 160

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1902)
Date
1902-07-01
Page
Seite 160 (sequence 16)
Language
German
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der bald schleppend, zerrissen, kataraktartig, und wieder absterbend ist, wie in all' diesen Gestalten, von denen einige sich an die Wand lehnen, andere sie eifrig küssen, wieder andere den Kopf an dieselbe schlagen, während noch andere ihre Worte an den Nachbar oder an den Himmel richten. Länger als eine Stunde tobte der Gesang, nur für Augenblicke vollständige Stille zulassend, wenn der erschöpfte Vorbeter leise weinend sich an die Mauer lehnte. Als wir uns entfernten, lächelte der freundliche Dolmetsch, wie es sich für einen aufgeklärten Mann geziemt, der Wächter folgte uns mit unerschütterlicher Ruhe, ich aber war tief ergriffen und staunte ob der Kraft der Traditionen, welche durch Jahrtausende nichts von ihrem Zauber verlieren. Die Juden aus Martinique. Der Mehrzahl nach war und ist Martinique von „Farbigen" oder „Mischlingen,, bewohnt. Allein es leben dort auch zahlreiche Europäer und ganz gewiß sehr viele Juden. Die Juden sind von den Holländern und den Engländern nach Amerika verpflanzt worden, und so lange diese beiden Nationen die allein herrschenden waren» gestaltete sich die Lage derselben sehr günstig. Der Pietismus und Zelotismus der alten Holländer und Engländer war — wenigstens auf den überseeischen Besitzungen derselben — kein Hindernis, den Juden gegenüber so tolerant zu sein, als es mit damaligen Begriffen vereinbar war. Dem Juden Benjamin Da Costa aus Brasilien verdankten die französischwestindischen Inseln, vor Allem Martinique und Guadelope, die Einführung des Zuckerrohres und der Fabrikationsweise (1644). Die Ketzer hatten sich zu sehr in Achtung gesetzt bei den rechtgläubigen Creolen von Martinique, als daß diese so beschränkten religiösen Anschauungen, wie sie in Paris an der Tagesordnung waren, gefolgt wären. Das Gesetz, das damals nur den Katholiken erlaubte, sich in den Kolonien anzusiedeln, wurde von Niemanden mit größerer Verachtung abgewiesen als von dem Dominikanerpater Labot, der in einem berühmten Briefe nach Paris schrieb, ihm sei es ganz gleich, ob sein Zuckerrohr bei einem Lutheraner oder einem Katholiken gewachsen sei, so lange es nur gut und weiß sei. Blicken wir aber rückwärts auf die beiden Jahrhunderte, welche der großen staatlichen und geistigen Uinwälzung in Frankreich vorangegangen sind, so tritt uns die von den Mönchen inspirirte Verfolgung Andersgläubiger — Protestanten und Juden — als auffällige Erscheinung entgegen. Vergeblich beniüht man sich, politische oder soziale Motive in den Vordergrund zu schieben. Es war und ist religiöse Intoleranz, also ein kulturfeindliches Element, das sich in solchem Gebühren kundgiebt.

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