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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1902) · p. Seite 158

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1902)
Date
1902-07-01
Page
Seite 158 (sequence 14)
Language
German
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158 unter Führung Warren's neben den Mauern vornehmen ließ, dienten zu der Beweisführung, daß diese Mauern thatsächlich die äußeren Mauern des alten (zweiten) jüdischen Tempels gebildet haben. Man fand rote Zeichen und Buchstaben in Steine gehauen, einen Krug und andere phönizische Überbleibsel, und während die sichtbaren Mauerteile überall auf das Mittelalter Hinweisen, stammen die Mauern in der Erde sämtlich aus einer viel älteren Zeit. Die „Grundmauern" beginnen sämtlich zehn Meter unter der Erde und bestehen aus großen behauenen und geglätteten ' Steinen, die ohne Bindematerial so genau auf einander gefügt sind, daß man nicht einmal eine Messerklinge zwischen sie stecken könnte. Wie überall, so bilden auch hier die riesigen Dimensionen der einzelnen Steine den besten Beweis der Antiqnität. Solche Teile der Mauer erheben sich nur an wenigen Stellen so hoch, daß sie auch sichtbar sind. Dies geschieht vornehmlich a» der östlichen Seite, dem Oelberge gegenüber, wo sich der Felsengrund selbst stark erhebt. Am südlichen Ende der Mauer bestehen 15 Steinschichten aus solchen Monolithen, wie sie auch am nördlichen Ende vorkomme». Die Länge einzelner Steine beträgt acht, die Höhe zwei Meter. Aber auch am südlichen Ende der der Stadt zugekehrten westlichen Mauer befindet sich ein solcher alter Mauerrest, der berühmt ist in Jerusaleiu und weit darüber hinaus in der ganzen Judenschaft als die „Klagemauer". In den Hof des Haram-et-Scher!ff setzt kein Jude den Fuß. Gerade darum, weil dort einmal der Tempel des Herrn stand. Denn wer könnte sagen, auf welchem Fleck des weiten Raumes das Allerheiligste sich befand, jener Ort, den nur der Oberpriester betreten durfte und auch dieser nur einmal im Jahre, wenn er den unaussprechbaren Namen des Herrn aussprach. Der Jude betritt daher nicht diesen Platz, um nicht unbewußt über jenen heiligen Ort zu schreiten. Aber er geht zu jenem Teile der äußeren Mauer, von dem er auch glaubt, daß er ein Überbleibsel der alten Tempelmauern, um die Zerstörung Zions zu beweinen. Am Abend, wenn sie das Aufgehen der Sterne erwarten, besonders aber am Freitag Abend, versammeln sich die Juden zu Hunderten an dieser wüsten Stätte. Denn diese Stätte ist wirklich wüst. Durch den Dolmetsch des Konsulats, einen rechtschaffenen Armenier geführt und von dem bewaffneten Wächter des österreischen Hospizes begleitet, suchte ich diesen Ort auf. Durch enge, schmutzige, dunkle Gäßchen schritten wir, manchmal einige Treppen empor oder einige Treppen hinab, bis zur Mauer. Diese Gassen sind kaum so breit, daß man seinen Arm ausstrecken könnte Auf dem Pflaster liegt der Straßenkot mit Kehrichtabfällen. Die Eingänge in die Häuser sind kaum von halber Manneshöhe. Aus den feuchten, braunen Mauern blickt kein Fenster auf die Gasse. Im Dunkel der Thorhöhlen hockt hie Und da eine finstere in Lumpen gehüllte Gestalt. Das ist der Stadtteil des Maghrebi's. Unter „Maghreb" wird das nordwestliche Afrika, Tunis, Algier, Fez und Marokko verstanden. Die Juden, welche als Pilger Jerusalem aufsuchen, wo sie oft jahrelang bleiben, erheben ein Anrecht auf diese elende Häusermasse, in der jeder

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