Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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157 Are Klagernauer m Jerusalem. Bon vr. Max L. Das südwestliche Viertel von Jerusalem nimmt ein riesiges viereckiges Plateau ein, welches beiläufig den fünften Teil der ganzen Stadt ausmacht. Die glatten Steinplatten und die farbenreichen Moscheen leuchten auf den Oelberg hinüber und bilden den größten Schmuck des ganzen Panoramas der im übrigett so düsteren Stadt. Die änßeren Mauern dieses Plateaus, besonders die westliche, welche dem Oelberg gegenüberliegt, bilden ihrer ganzen Länge nach einen integrierenden Teil der städtischen Basteimauern und sind, wie diese überhaupt, mit Thoren versehen und mit Türmen geziert. Dieser Hof ist der Hararwet-Scheriff, das höchste Heiligtum der Mohamedaner nach der Kaaba von Mekka. Der Mohamedaner, die hier und dort gewesen ist, kann auf eine besondere Auszeichnung in diesem, wie im künftigen Leben Anspruch machen. Selbst Mohamed hat diesen Ort heilig erklärt, und zwar aus dem Grunde, weil hier der erste große Tempel des einzigen großen Gottes gestanden, den Salamo zuerst erbaut und welchen die Juden immer neu aufbauten, bis er schließlich durch die Verwirklichung des Gottesfluches, daß „kein Stein auf dem andern bleibe." zerstört wurde. Trümmer häuften sich auf Trümmer und vom Tempel Salomonis ist keine Spur mehr vorhanden. Aber die Tradition vererbte sich von Generation zu Generation. Thatsache ist, daß die Stadt, die wiederholt in Trümmer fiel, immer neu aufgebaut wurde, auf dieses Terrain nicht herübergriff. Sie respektierte diesen Ort. Nur die Kreuzfahrer bauten am südlichen Ende eine Kirche und die Araber in der Mitte eine große Moschee, in welcher dieselben eine Erneuerung des alten Tempels sahen. Die Forscher wurden anfangs durch die Thatsache irre gemacht, daß der „Haram" niederer liegt als der älteste Stadtteil Jerusalems, wo einst die Burg Davids stand und sich noch heute eine Citadelle befindet, während das Volk nach den Worten der Schrift auch von hier zum Tempel „hinaufstieg." Aber neuere Nachgrabungen haben erwiesen, daß sich zwischen diesem alten Stadtteil und dem „Haram" ein tiefes Felsenthal hinzog, daß man — bevor die Jahrhunderte dieses Thal verschütteten — auch von hier zum Tempel „hinaufsteigen" mußte, wenn man dahin gelangen wollte. Es wurde auch konstatiert, daß die den „Haram" auf allen Seiten umgebenden Mauern an der südlichen Seite, wo sich das Felsenthal hinzog, bis an den Grund des Felsenthales reichten, bis 26 Meter unter der Erde. Im ganzen haben wir es daher hier mit einem durch Mauern uingebenen, auf der Felsenhöhe gebildeten Plateau zu thun, das bereits dort, wo es an die Stadt grenzt, im Norden und Westen, neben aufgeschüttetem Boden liegt, und nur dort, wo seine Mauern auch gleichzeitig die Stadtmauern bilden, jäh abfällt, im Osten zum Kidron, im Süden zum Hinnomthale. Dieselben Grabungen, welche eine englische Expedition