Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1902) · p. Seite 153

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1902)
Date
1902-07-01
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969893-2969901--6645-2975993
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I". »V'-i; - ...• - -TTT — 1öS — Nun bin ich seit einigen Stunden in Budapest, in der Hauptstadt eines freien und herrlichen Landes, und mit Schaudern denke ich an die Erlebnisse zurück, die mich unvermutet in Rumänien überrascht haben. Selbstverständlich lasse ich die Sache nicht auf sich beruhen und iverde in Paris meine Rechte und Pflichten als französischer Bürger wahrzunehmen wissen. Unser Minister des Äußern, Herr Declass«, wird von mir benachrichtigt werden, wie man im Königreiche Rumänien einen Fremden, in dessen Vaterland die Rumänen allen gesetzlichen Schutz genießen, behandelt, wie im Königreiche Rumänien die Behörden das internationale Recht zu handhaben sich unterstehen. Das Ganze ist wie ein Alpdruck von mir in Budapest gewichen, hier atme ich auf, in diesem schönen Ungarn, wo Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit herrschen und wo der Fremde mit derjenigen Gastfreundschaft empfangen wird, die wir in unserem französischen Vaterlande Jedem herzlich gern einräumen. AkeXander Severus ctte Ireund Israels und der KHriflenHett. In Syrien geboren, von seiner Mutter Julia Mammäa vortrefflich erzogen, bestieg Alexander Severus noch als Knabe i. I. 222 den Thron der Cäsaren. Inmitten einer entarteten Welt steht er in mancher Hinsicht als ein Lichtbild da. . Auch als Juden- und Christenfreund ist er beachtenswert. Eine freundliche Haltung gegenüber den Israeliten wurde zu Zeiten schon von den mit ihm verwandten Kaisern Septimius Severus, Caracalla und Heliogabal beobachtet. Caracalla hatte sogar einen jüdischen Pflegebruder, der ihm teuer war. Juden verkehrten auch im Elternhause Alexanders. Auf ihn wirkte der jüdische Geist noch kräftiger als auf seine Vorgänger. In seiner Hauskapelle in Rom, in welcher er an jedem Morgen vor den Abbildungen des Orpheus, des Apollonius von Tyana und anderer großer Männer eine Andacht verrichete, ließ er auch eine Büste des isrealitischen Erzvaters Abraham aufstellen. Hillels Mahnung, andern nicht zu thuu, was man sich von andern nicht wünsche, schien ihm so wichtig, daß er sie nicht nur oft im Munde führte, sondern sie auch in die Wände seines Palastes und öffentliche Denkmäler eingraben ließ. (Matth. 7, 12 enthält diese Vorschrift in bejahender Form.) An der jüdischen Gemeindeverfassung gefiel ihm außerordentlich die vor der endgültigen Anstellung der Gemeindebeamtrn übliche Bekanntmachung ihrer Namen. Wie die letztere zu dem Zweck erfolgte, daß etwaige Beschwerden gegen den vorläufig Gewählten vorgebracht werden könnten» so bestimmte auch der Kaiser in Nachahmung der jüdischen Ordnung, daß die Namen der von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.