Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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im finstersten Jahrhundert des Mittelalters, im dreizehnten Jahrhundert, entstanden und das mit seinen Lehren über das Verhalten gegen die Nebenmenschen gleich einem leuchtenden Meteor von der allgemeinen Dunkelheit vorteilhaft absticht. In das Gebiet des rein Geistigen übergehend, ist allerdings der Mangel einer bestimnlten Unsterblichkeitslehre und das starke Betonen des Diesseits in der heiligen Schrift auffallend, was z. B. Eduard Meyer in seiner Geschichte des Altertums zu der falsche» Behauptung veranlaßt, daß der Unsterblichkeitsglaube völlig fehle und Max Dunker zu dem Ausspruche verleitete, die Juden hätten das beste Stück ägyptischer Religion, den Glauben an die Fortdauer der Seele, nicht ausgenommen. Wir möchten hier auch Herrn vr. Güdemann gelegentlich auf zwei interessante Aufsätze Hinweisen, in welchen dieser Stoff behandelt wird, auf „die Poesie des Todes im alttestamentlichen Schrifttums" (Deutsch-evangelische Blätter von Beyschlag-Halle, Eugen Strien, April 1902) und das Buch: „Kennt die Bibel das Jenseits" von L. Reinhardt. Schon der Satz im Koheleth: „Der Staub kehrt zur Erde zurück, wie er gewesen, und der Geist kehrt zu Gott zurück", macht die oben angeführten Behauptungen zu nichte. Güdemann geht der Sache tiefer auf den Grund und von dem gesunden talmudischen Standpunkte ausgehend, daß der Geist Gottes über den Menschen nicht in trauriger, sondern unr in heiterer Stimmung sich herablasse, gelangt er zu der Ansicht, daß die Jenseitsvorstellungen darum zurückgedrängt wurden, damit sie nicht zuviel Schatten über das lichte Leben breiten. Und so hätte denn die Religion Israels das Leben gegen den Tod ausgespielt, getreu dem Worte des Psalmdichters: „Die Erde hat er den Menschen gegeben", was besonders in Levicitus 18 und 19 klar zum Ausdruck kommt. „Und wahrt meine Satzungen und meine Vorschriften, die der Mensch thue, daß er durch sie lebe." Nur eine so mächtige Persönlichkeit wie Moses war imstande, neben der Befreiung aus der materiellen Knechtschaft die unendlich größere aus dem Sklavenjoche des Aberglaubens an dem Volke Israel zu vollbringen. Dieser Befreiungsakt aber machte die Zurückdrängung der nach Beschäftigung mit dem Jenseits hinneigenden Spekulation, welche das ganze religiöse Thun und Denken der alten Ägypter beschäftigte, zur dringenden Notwendigkeit, denn gerade von dieser Seite fanden der Dämonenglaube, der Totenkultus, die Tierverehrung ihre mächtigste Förderung. Die Religion Israels sollte nachgerade das Volk von der Erforschung des Verborgenen ablenken mit ihrem Lehrsätze: „Das Verborgene ist des Ewigen unseres Gottes und das Offenbare mit uns und unseren Kindern bis auf ewig." Durch die Zurückdrängung des Jenseitsgedankens bezweckte die Religion des Volkes Israels die Befreinng des Lebens von den mächtigen Einwirkungen einer aus Furcht und Schatten verbundenen Anschauung, die zum Kultus des Todes und der Toten führt, wie denn auch der Talmud, trotzdem daß im späteren Schrifttums sich fremde entgegengesetzte Einflüsse bemerkbar machen, denselben Standpunkt einnimmt, wenn