Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- Seite 143 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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ergriff ihn und erkannte, daß es eine Sepher Thora ist. Da flehte er diese Rolle um Rettung an und gelobte, eine Synagoge zu erbauen, wenn er am Leben bleibe. Sein Gebet fand Erhörung, die Fluten trugen ihn an das Ufer von Bone, und zugleich mit ihm wurde auch das Sepher ans Land geworfen. Araber, welche sich am Strande befanden, wollten sich der Rolle bemächtigen; aber dieselbe wich immer wieder in das Meer zurück und näherte sich dem Lande erst, wenn die Araber vom Strande sich zurückzogen. Nun holte man Juden herbei, und diesen gelang es, das Sepher zu ergreifen und ans Land zu ziehen. Der errettete Araber aber erfüllte sein Gelübde und baute eine Synagoge, in der das wunderthätige Sepher aufbewahrt wird". Die andere Version lautet folgendermaßen: „In Bone haben Juden und Araber jederzeit in bestem Einvernehmen mit einander gelebt. Als eines Tages ein Araber die Pilgerfahrt nach Mekka machte, bat ihn die Gemeinde, für sie bei den Rabbinen von Jerusalem ein Sepher Thora zu bestellen, welches in eine plombierte Metallkiste eingeschlossen und versiegelt werden sollte. Der Araber führte den Auftrag getreulich aus; auf der Rückkehr von Mekka besuchte er Jerusalem und nahm dort die kostbare Kiste in Empfang. Aber das Schiff erlitt Schiffbruch und der Araber sah sich dem Wellentode preisgegeben. Trotzdem ließ er seinen Schatz nicht fahren, sondern hielt die Kiste fest. Er gelobte, eine Synagoge zu erbauen, wenn er in seine Vaterstadt zurückkehren werde, und er hielt sein Gelübde, als er, wie durch ein Wunder gerettet, heil und gesund nach Bone heimkam." Juden wie Araber wetteifern in der Verehrung der 6aoridab, und alte Leute zeigen noch den Platz, auf dem die von dem Araber errichtete Synagoge gestanden hat. Hiuzugefügt sei, daß das Gerichtsgebäude in Bone über der Eingangspforte die Gesetzestafeln Moses trägt. — Auf der letzten Kunstausstellung in Hombay hat der Maler R. Samuel, einer von der Beni Jsreal, den ersten Preis erhalten. — Der 8. Chirnrgen-Kongreß von Moskau hat -zwei Beschlüsse zu Gunsten der Juden gefaßt. Nach einem Referat des Dr. Shubankow über den ärztlichen Beruf der Frau wurde beschlossen, bei der Regierung dahin vorstellig zu werden, daß jüdische Mädchen und Frauen in unbeschränkter Zahl zum medizinischen Studium zugelassen werden. Aber der Kongreß ging noch einen Schritt weiter und beschloß nach eittent' Vortrage des Dr. Saitzew, die Negierung um die Aufhebung der die Zulaffung der Juden zu den mittleren und höheren Schulen beschränkenden prozentualen Norm zu ersuchen. Beide Beschlüsse werden vermutlich unmittelbar günstige Folgen kaum haben, dennoch sind sie als erneuter Beweis dafür mit Freuden zu begrüßen, daß die Vertreter der Wissenschaft, also die eigentlichen Träger der russischen Kultur sich eine gerechte Beurteilung und Bewertung des Judentums bewahrt haben- — Der jüngst in Warschau verstorbene große Friedensapostel Johann G. Dloch wurde 1836 als Sohn armer jüdischer Eltern zu Radom geboren. Nachdem er in Warschau eine Realschule beendet hatte, fand er eine Anstellung in einer nahe bei- Petersburg gelegenen Dampfmühle, >vo er sich bald als organisatorisches und kauf