Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- Seite 142 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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142 selbst unter den erschwerten Umständen günstigen Absatz zu verschaffen wissen. Während die Juden noch im Jahre 1864 nur kaum 27 Ctr. aller Tabakspflanzungen besaßen, stieg ihre Zahl im Jahre 1886 bereits auf 62 pCt.. und jetzt nahezu auf 99 pCt. Die Zahl der jüdischen Tabakpflanzer beträgt gegenwärtig allein im Gouvernement Besfarabien 900 und unter den von ihnen beschäftigten 3720 Taglöhnern befinden sich 3431 — 92.3 pCt. Juden und mir 289 Christen. Die Arbeit in den Tabakspflanzungen ist eine überaus anstrengende und erfordert große Umsicht und Sorgfalt und giebt dem Besitzer fast das ganze Jahr hindurch vollauf zu thun. Im Gegensatz zu mancher jüdischen Bauernfamilie in Argentinien und Palästina, wo nur das Familienoberhaupt auf dem Felde arbeitet, werden auf den jüdischen Tabakpflanzungen in Südrußland säintliche Familienmitglieder einschließlich der achtjährigen Knaben zur Mitarbeiterschaft herangezogen. Aus diesem Grunde läßt sich die vorteilhafte äußere Erscheinung des jüdischen Tabakpflanzers erklären, welcher durch seine starke, breitschulterige Gestalt und seine gesunde braune Gesichtsfarbe sich von seinen übrigen Glaubensgenossen unterscheidet. Die Erträgnisse aus denr Tabakbau sind relativ sehr günstig, wenn schon die Preise gegen früher erheblich zurückgegangen sind. Dieselben betragen 8 Zentner Tabak pro Hektar bei einem Durchschnittspreise von 44 Rubel pro Zentner. Davon gehen ab 35 Rubel Pacht und 150 Rubel Arbeitslöhne, so daß der Unternehmer 167 Rubel pro Hektar reinen Überschuß zurückbehält. In den meisten Fällen kommt zu diesem Reingewinn noch der Arbeitslohn hinzu, den der Besitzer mit Hilfe der Familie sich selbst erwirbt. Leider sind aber die den Juden zur Verfügung stehenden, in der unmittelbaren Nähe der Städte gelegenen Ländereien ganz geringfügig, und da ihnen der Erwerb und selbst die Pachtung von Grund und Boden außerhalb der Städte verboten ist, so übersteigt der Umfang einer jüdischen Tabakplantage selten 11[» Hektar. Deshalb sind die jüdischen Tabakbauern bestrebt, das undankbare Rußland zu verlassen, das ihnen jede Bewegungsfreiheit nimmt und sie hindert, sich im Schweiße ihres Angesichts durch nützliche und produktive Landarbeit zu ernähren und in Apgentinien Kleinasien und in jüngster Zeit auch in Palästina ein neues Feld für ihre Thätigkeit zu suchen. — Wie die russisch-offiziöse „Warshawskij Dujewnik" jüdischen Blättern entnimmt, sollen mehrere Warschauer Rabbiner die zionistische Presse mit dem Bann belegt und dies in den Synagogen und jüdischen Gebethäusern bekannt gemacht haben. — Die Synagoge in Kone (Algier) beherbergt eine Thorarolle, welche den, aus dem Arabischen stammenden Namen „Gueribah", die „Geheimnisvolle, Seltsame" führt. Dieses Thorah-Exemplar erfreut sich der höchsten Verehrung bei den Arabern der Stadt, welche sogar in schwierigen Lagen seine wunderthätige Hilfe anrufen und vor demselben Kerzen in der Synagoge anzünden. Natürlich hat die Gusribad ihre Geschichte, sogar in mehreren Versionen. Die eine erzählt: „An der Küste Algiers ereignete sich ein Schiffbruch, bei dem ein dem Ertrinken naher arabischer Paffagier, plötzlich einen geheimnisvollen Gegenstand auf sich zuschwimmen sah. Er