Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- Seite 140 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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nehmen und geht dann durch die Wüstensteppe bis zum Mittelmeere. Von hier folgt sie dem Flusse Tschakyt Tsai, welcher den Taurus brausend durchbricht, bis zur Ebene. Die Bewältigung dieses Teiles wird große Kunstbauten erfordern. Nachdem sie nun die große Hauptkarawanenstraße durchzieht, wendet sie sich nach Süden, , wo sie Gebirgszüge trifft, die an unsere Dolomiten erinnern. Einige hundert Meter hoch steigen hier die Felsen aus dem Flusse, dann schließt sich das Hochgebirge vollständig und der Fluß verschwindet im Gebirge und hat eine. Strecke weit unterirdischen Lauf. Endlich tritt die Bahnlinie in die cilicische Tiefebene, und nachdem noch der Giaur Dagh in einem Tunnel durchfahren wird, sind die Schwierigkeiten der Gebirgsketten überwunden, dafür treten die großen Ströme Mesopotamiens auf, die an die Bautechniker große Aufgaben stellen werden. Von Syrien geht nun die Route an den Euprhat und Tigris, durchzieht die großen Wallfahrtsorte und gelangt bis Schattel-Arab. Später ist dann geplant, die Bahn bis an den Persischen Golf zu führen und bis Kuweit auszubauen, welcher Ort in der jüngsten Zeit bekanntlich anläßlich eines von den Engländern versuchten Handstreiches viel genannt wurde. Damit wäre die große Überlandbahn, die den Orient in den europäischen Weltverkehr zu ziehen berufen ist, an ihr Ziel gelangt. Acht Jahre soll der Bau dauern, dann werden die Stätten des alten Ninive Babylon u. s. w., welche den Schauplatz der frühesten Menfchengeschichte darstellen und seit taufenden Jahren weltabgeschieden sind, dem modernen Leben erschlossen sein. — Die reichen Ergebnisse der französischen Ausgrabungen in Persien, die unter Leitung M. de Morgan'« vorgenommen wurden, sollen, wie aus Paris berichtet wird, vom Mai bis Juni dieses Jahres im Grand-Palais zur Ausstellung gelangen. Schon im Jahre 1894 hatte Frankreich das Monopol der archäologischen Ausgrabungen in der ganzen Ausdehnung des persischen Reiches vom Schah Nassred-Din erlangt, wobei die Hälfte der Altertümer an Persien, die andere Hälfte an Frankreich zufallen sollte. Als der jetzige Schah nach Paris kam, Unterzeichnete er einen neuen Vertrag, nach dem alle Funde im Süden des Reiches und von denen im Norden die Hälfte an Frankreich fallen sollten. Morgau, der 1897 nach Persien geschickt wurde, hatte seine Ausgrabungen an der Stätte des alten Susa vorgenommen. 600—1200 Arbeiter waren dabei beschäftigt. Eine ungeheure Anzahl epigraphischer ' Dokumente, die die Namen der Herrscher Susa's bis etwa in's dreißigste Jahrhundert enthüllten, wurden zu Tage gefördert und es ist Aussicht, wenn die Arbeiten noch mehr vorgeschritten sind, noch weiter zurückliegende Altertümer zu erhalten- Die Citadelle Susa's lag auf einem 50 Meter hohen Hügel und war, wie die ganze Stadt, aus gebrannten Ziegeln gebaut. In dieser Festung, Memnoion genannt, bewahrten die großen persischen Könige ihre Reichsinsignien auf, Alexander der Große fand hier bedeutende Schätze. Neben diesem Hügel befindet sich auch ein Tempel, der nach der Legende die Grabstätte des Propheten Daniel ist. Die Stätte des. Akropolis Susa's ist eine wahre Fundgrube für Altertümer; sie ist